Welche Symptome zeigt mein Pferd bei Magenbeschwerden?

Pferd schaut aus offener Stalltür

Was du zu den Symptomen unbedingt wissen solltest.

Die Symptome sind vielfältig und nicht immer eindeutig.

Es gibt nicht die eine Ursache für ein Magengeschwür beim Pferd, die es zu beachten gilt. Stattdessen haben wir es mit mehreren Faktoren zu tun, die einzeln oder „gemeinsam“ das Auftreten von Magengeschwüren begünstigen.

Die Symptome sind von Pferd zu Pferd verschieden.

Ebenso vielfältig sind die Anzeichen – oder auch Symptome – für ein Magengeschwür von Pferd zu Pferd Es gibt also kein einheitliches Symptombild, das universell auf jeden Magenpatienten zutrifft.

Nur anhand einer Gastroskopie lassen sich Magengeschwüre eindeutig diagnostizieren.

Meist kommen die Symptome schleichend, weshalb sie in vielen Fällen zunächst unerkannt bleiben. Daher werden Magengeschwüre häufig erst spät erkannt.

Je schneller die Symptome erkannt werden, desto früher kann gehandelt werden.

Damit das funktionieren kann, geben wir euch im Folgenden eine Liste mit den gängigsten Symptomen an die Hand.

Übersicht

Alle gängigen Symptome

Um dir einen besseren Überblick zu verschaffen, haben wir die Symptome in Kategorien eingeteilt. Klicke einfach auf die Symptome, über die du mehr erfahren möchtest.

Kategorie

Fress- und Trinkverhalten

Fress- und Trinkverhalten

1. Fressunlust

In der Regel haben Pferde, die unter Magenproblemen leiden, weniger Appetit.

Dies kommt meist schleichend und Pferde zeigen dies zum Beispiel, indem sie sich nicht, wie gewohnt, auf ihr Krippenfutter stürzen, mit dem Maul in der Krippe rumrühren oder ihre Rationen nicht vollständig auffressen. Auch das Raufutter bleibt häufig liegen.

Dieses Symptom kennen auch Menschen, die unter Magenproblemen leiden: streikt der Magen, hat man keinen Appetit.

Durch die Verdauung kontrahiert der Magen. Dies schmerzt vor allem in den Bereichen, wo die Magenschleimhaut geschädigt ist. Gelangt Magensäure an die entzündeten Stellen, führt dies zu einem unangenehmen Brennen.

Nahaufname von Pferd mit Apfel im Maul

Fress- und Trinkverhalten

2. Leerkauen

Bei vielen bekannt als Zeichen der Unterwürfigkeit ist das Leerkauen auch oft ein Indikator für Magenprobleme.

Die Pferde bewegen das Maul bzw. kauen, obwohl sie weder fressen, noch irgendetwas im Maul haben.

Anders als beim Leerkauen als Zeichen der Unterwürfigkeit, mahlt der Unterkiefer wie beim richtigen Kauen von Nahrung. Meist wird dies mehr als nur ein paar Kaubewegungen lang gemacht.

Portrait dreier Pferdeköpfe

Fress- und Trinkverhalten

3. Schweifschlagen beim Fressen

Das Schlagen des Schweifes während der Futteraufnahme ist sehr untypisch für gesunde Pferde und ein deutliches Anzeichen für Magengeschwüre.

Das Schweifschlagen ist ein Zeichen von Schmerzen und Unwohlsein. Die Futter-Aufnahme und darauf folgende Verdauung bereiten dem Pferd Schmerzen und dies zeigt es ganz deutlich, indem es mit dem Schweif schlägt.

Nahaufnahme vom Schlagen des Pferdeschweifs

Fress- und Trinkverhalten

4. Vermehrte oder verringerte Trinkwasseraufnahme

Man kann nicht pauschal sagen, dass Pferde mit Magengeschwüren mehr oder weniger Wasser aufnehmen.

Dies kann sich stark unterscheiden. Es kann passieren, dass das Pferd eine wesentlich erhöhte, aber auch eine wesentlich niedrigere Wasseraufnahme hat.

Aufgrund von Selbsttränken wird dies in vielen Fällen übersehen bzw. kann schlecht kontrolliert werden. Je nach Arbeitsleistung, Wetter und Haltungsform trinkt ein 600 kg schweres Pferd etwa 30-60 l pro Tag.

Zwei Pferde stehen auf einer überschwemmten Wiese und trinken Wasser

Kategorie

Im Stall und auf der Weide

Im Stall und auf der Weide

5. Erschwertes Hinlegen

Auch beim Hinlegen entstehen mehr Bewegungen im Magen, dieser wird zwangsläufig durch das Niederlegen kontrahiert, was für das Pferd Schmerzen bedeutet.

Es scheint, als ob das Pferd sich vorher ausgiebig überlege, wie es sich hinlegen will, es zögert, braucht eventuell mehrere Anläufe und bleibt vielleicht dann doch lieber stehen.

Häufig wird auch beobachtet, dass die Pferde dann, wenn sie sich erst einmal hingelegt haben, liegen bleiben.

Diese Pferde liegen dann vermehrt und widmen sich folglich weniger der Futteraufnahme, was das Problem nur weiter verschlimmert, schließlich produziert der Magen des Pferdes permanent Säure, die wiederum ohne Puffer durch den Speichel die mangels Futter ungeschützen Magenwände angreifen kann - was uns direkt zum anderen Extrem bringt.

Portrait eines jungen Fohlens

Im Stall und auf der Weide

6. Weitstellen von Vorder- und Hinterbeinen

Einige Pferde stellen ihre Vorder- und Hinterbeine weit auseinander, um den Magen und den Darm zu entlasten.

Dies sollte nicht mit der Entlastungsstellung der Vorderbeine bei Rehepferden verwechselt werden, bei der die Pferde das Gewicht auf die Hinterbeine verlagern.

Stute mit Fohlen läuft durch trockenes Gras

Im Stall und auf der Weide

7. Abwehrverhalten beim Gurten

Die Magenschmerzen lösen bei vielen Pferden ein Abwehrverhalten beim Gurten oder sogar beim Auflegen des Sattels aus.

Der Sattelgurt liegt in dem Bereich, in dem sich der Magen des Pferdes befindet. Durch das Anziehen des Sattelgurtes spannt das Pferd den Bauch an und folglich auch den Magen.

Dadurch gelangt die Magensäure in den empfindlichen Teil des Magens und kann so die geschädigte Magenschleimhaut angreifen. Dies ist für das Pferd extrem schmerzhaft.

Es tritt als Reaktion in Richtung Gurtlage bzw. Mensch, der Schweif wird geschlagen und es kann sogar dazu kommen, dass das Pferd den Menschen zu beißen versucht. Dies ist ein sehr typisches Merkmal für Pferde mit Magengeschwüren.

Nahaufnahme von Reiter im Sattel

Im Stall und auf der Weide

8. Absondern von Artgenossen oder vermehrte Aggression

Pferde, die unter Magengeschwüren leiden, sind oft nicht wiederzuerkennen.

So können die verträglichsten Pferde plötzlich zu vermeintlich aggressiven Störenfrieden werden, die die ganze Herde aufmischen und die geselligsten Kumpel zu vermeintlichen Einzelgängern, die am liebsten allein auf der Koppel stehen und von den anderen in Ruhe gelassen werden möchten.

Pferd auf der Weide wendet sich von anderem Pferd ab

Kategorie

Sonstiges auffälliges Verhalten

Sonstiges auffälliges Verhalten

9. Koppen

Häufig ist unklar was zuerst da ist – das Magengeschwür oder das Koppen, denn beides kann sowohl Ursache, als auch Folge sein.

Bei Pferden, die ohnehin koppen, wird jedoch in Folge eines Magengeschwürs häufig beobachtet, dass diese vermehrt koppen.

Dadurch versuchen die Pferde, den Speichelfluss anzuregen, welcher die Magenschmerzen lindern soll. Vereinzelt gibt es auch Pferde, die das Koppen erst durch Magengeschwüre anfangen.

In der Regel setzen die Pferde beim Koppen mit den Schneidezähnen auf einen Gegenstand auf und schlucken Luft. Durch die Kontraktion der unteren Halsmuskulatur öffnet sich der Schlundkopf und es entsteht der typische Kopperton.

Eher selten koppen Pferde frei. Diese setzen nicht mit den Schneidezähnen auf einen Gegenstand auf, sondern koppen mit frei gehaltenem Kopf.

Nahaufnahme eines Pferdes beim Koppen

Sonstiges auffälliges Verhalten

10. Flehmen

Beim Flehmen streckt das Pferd den Kopf nach vorne und klappt die Oberlippe hoch.

Dieses Verhalten zeigen Pferde in den meisten Fällen, wenn sie einen Geruch wahrnehmen und diesen näher identifizieren wollen.

Pferde flehmen aber auch als Zeichen von Schmerzen und Unwohlsein. So zeigen dies viele Pferde, die unter Magengeschwüren leider oder eine Kolik haben.

Nahaufnahme eines flehmenden Pferdes

Sonstiges auffälliges Verhalten

11. Vermehrtes Gähnen

Egal ob in der Box, auf der Weide, beim Putzen oder unter dem Sattel – kann bei einem Pferd ständiges Gähnen beobachtet werden, ist dies ein relativ eindeutiges Anzeichen für Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes.

Gleichzeitig dient das Gähnen auch zum Abbau von Stress. Und wenn Magenpatienten etwas reichlich haben, dann ist das Stress – entweder als Auslöser des Magengeschwürs und/oder als Folge der Schmerzen.

Manche Pferde behalten das Gähnen ab und an auch bei, selbst nach erfolgreicher Behandlung und folglich ausgeheiltem Magengeschwür.

Stress ist in diesem Zusammenhang natürlich kein Symptom, sondern eine Ursache, schwebt aber gerade mit Blick auf Magengeschwüre wie ein Damokles-Schwert über den Köpfen unserer Pferde.

Daher wäre die Lektüre des entsprechenden Artikels über Stress beim Pferd und wie Ihr diesen möglichst gering halten könnt empfehlenswert, schließlich ist eine solide Beobachtung ein wichtiger Bestandteil, wenn es um das Erkennen von Magenschwüren geht.

Und Fehlalarme gilt es zu vermeiden, schließlich folgt nach dem Verdacht auch schon eine tierärztliche Untersuchung, was selten als schönstes Ferienerlebnis in Erinnerung bleibt.

Nahaufnahme eines Pferdes beim Gähnen

Sonstiges auffälliges Verhalten

12. Belecken von Gegenständen

Meist denken Pferdebesitzer, dass ihre Pferde einen Mineralstoffmangel haben, wenn diese an Gegenständen lecken.

Aber auch bei Pferden mit Magengeschwüren wird dies beobachtet.

Das Ausmaß ist von Pferd zu Pferd unterschiedlich und auch die Gegenstände, an denen das Pferd leckt, sind vielfältig.

In der Regel werden metallische Gegenstände beleckt, aber auch Holz oder Betonwände gehören dazu.

Nahaufnahme eines Pferdes beim Belecken von Gegenständen

Kategorie

Gesundheitszustand

Gesundheitszustand

13. Reduziertes Allgemeinbefinden

Pferde mit einem reduzierten Allgemeinbefinden wirken in sich gekehrt bis depressiv.

Sie nehmen wenig an ihrem Umfeld teil, interessieren sich kaum für ihre Stallkollegen und in vielen Fällen für ihre Bezugspersonen und stehen oft mit dem Kopf in der Ecke.

Pferd auf ungemähter Wiese schaut in eine hügelige Landschaft

Gesundheitszustand

14. Erhöhter Puls und leichtes Fieber

In akuten Fällen kann es zu einem erhöhten Puls und leichtem Fieber kommen.

Diese Symptome gehen oft einher mit leichten Koliken. Dies ist den starken Magenschmerzen zu schulden.

Man spricht von einem normalen Puls bei 28-44 Schlägen pro Minute und einer normalen Temperatur bei 37,5-38,2 Grad. Sind diese Werte erhöht, sollte dringend ein Tierarzt zu Rate gezogen und gehandelt werden.

Portrait eines Pferdes

Gesundheitszustand

15. Wiederkehrende, zunächst leichte Koliken

Meistens treten diese milden Koliken nach der Kraftfutteraufnahme auf und dauern nicht so lange an.

Das Pferd zieht den Bauch hoch, tritt eventuell in Richtung des Bauches und/oder legt sich immer mal wieder hin und wälzt sich.

Diese Koliken verschwinden in der Regel nach einer Weile von alleine. Beim Fressen von Kraftfutter wird – im Vergleich zu Heu – pro Kilo wesentlich weniger des bicarbonat-haltigen Speichels gebildet.

So wird die im Magen gebildete Säure beim Fressen von Kraftfutter deutlich schlechter abgepuffert, als wenn das Pferd Heu frisst.

Portrait eines auf Stroh liegenden Pferdes

Gesundheitszustand

16. Vermehrte Speichelbildung

Durch die erhöhte Speichelproduktion versucht das Pferd bzw. der Organismus dem niedrigen pH-Wert im Magen entgegenzuwirken.

Der Speichel hat einen basischen pH-Wert und puffert die Magensäure ab. Es ist zu beobachten, dass die Pferde speicheln, obwohl sie weder fressen, noch auf etwas kauen oder ein Gebiss im Maul haben.

Häufig ist die erhöhte Speichelbildung nach der Kraftfutteraufnahme zu beobachten.

Nahaufnahme eines Pferdes beim Belecken von Gegenständen

Kategorie

Leistungsabfall

Leistungsabfall

17. Absinken des Leistungsniveaus

Durch die Magenschmerzen und die verminderte Nährstoffaufnahme kann es zu einem Absinken des Leistungsniveaus kommen.

Das Pferd hat nicht genug Energie, um die volle Leistung zu erbringen. Es ist matt und antriebslos, trabt ungern an und ist kaum zu motivieren. Dieses Symptom wird durch akute Schmerzen verstärkt.

Genau wie wir Menschen, ist das Pferd unter Schmerzen und mangelnder Energie nicht in der Lage, volle Leistungen zu erbringen.

Pferd mit junger Frau im Stall

Leistungsabfall

18. Unrittigkeit

Zunächst denken viele Reiterinnen und Reiter, dass ihre Pferde einfach nur unwillig sind und nicht mitarbeiten wollen.

Als Ursache für die Unrittigkeit werden häufig zuerst das Zaumzeug oder Rückenprobleme gesucht.

Dabei sind Magenprobleme nicht zu verachten. Sie führen dazu, dass Pferde vor allem bei der Arbeit unter dem Sattel starke Schmerzen haben und in Schonhaltung laufen.

Dadurch halten sie sich im Rücken fest, laufen spannig und bocken infolge dessen, werden triebig und sind nicht mehr bereit, volle Leistung zu erbringen.

Reiter auf Pferd reitet auf Waldweg in den Sonnenuntergang

Leistungsabfall

19. Zögerliches Bergabgehen

Vor allem beim Bergabgehen kommt es dazu, dass die Magensäure an den empfindlichen Bereich des Magens gelangt.

Ist dieser durch Magengeschwüre geschädigt, kann dies für das Pferd sehr unangenehm sein. Das Pferd geht nur ungern bergab, lässt sich treiben oder verweigert gar das heruntergehen.

Portrait zweier Pferde unter einem Baum

Kategorie

Erscheinungsbild

Erscheinungsbild

20. Gewichtsverlust

Der Gewichtsverlust geht in der Regel mit der Fressunlust einher.

Durch die verminderte Futteraufnahme, werden dem Organismus nicht mehr genug Energie und Nährstoffe zugeführt und es wird Körpermasse abgebaut.

Erste Anzeichen eines Gewichtsverlustes sind zum Beispiel die Rippen, die plötzlich gut sichtbar hervortreten. Das selbe gilt für den Hüfthöcker und natürlich bauen sich auch die Muskeln zunehmend ab. Dieser Zustand eines abgemagerten Pferdes entsteht nicht von heute auf morgen.

Es wäre sicherlich falsch zu behaupten, dass die anderen Symptome erwünscht seien, aber wenn ein Pferd hier angelangt ist, wurden gewisse Probleme - dazu gehört auch ein Magengeschwür - schon länger übersehen.

Portrait eines Pferdes mit Kräutern im Maul

Erscheinungsbild

21. Stumpfes Fell

Nicht jedes Pferd, das unter Magengeschwüren leidet, hat stumpfes Fell.

So gibt es auch Pferde, die trotz Magengeschwüren glänzendes Fell haben und äußerlich gesund zu sein scheinen.

In vielen Fällen wird infolge von Magengeschwüren bzw. der daraus resultierenden Symptome, wie Fressunlust oder Gewichtsverlust, die Darmflora aus dem Gleichgewicht gebracht und somit können nicht mehr ausreichend Nährstoffe aus dem Darm absorbiert werden.

Folglich stehen dem Stoffwechsel nicht mehr genug Nährstoffe zu Verfügung und das Fell verliert seinen Glanz - es wird matt und stumpf.

Portrait eines Pferdes mit stumpfem Fell