Das englische Sprichwort „Some of my best friends never say a word to me“ trifft auf die Beziehung zwischen Pferd und Mensch perfekt zu. Und gerade dies hat für viele Pferdemenschen einen besonderen Reiz. Man redet nicht miteinander, aber irgendwie spricht man doch dieselbe Sprache.

Wir Reiter meinen zu wissen, was unser vierbeiniger Partner von uns möchte, wenn er uns liebevoll in die Seite stupst, welches sein Lieblingsfutter ist oder warum er lieber auf dem Springplatz gearbeitet wird, anstatt auf dem Dressurplatz geritten zu werden. Aber wissen wir wirklich immer, ob es unseren Pferden gerade gut geht und ob sie sich wohlfühlen oder doch vielleicht Stress haben?

Bestelle Dir hier deine kostenlose Futterprobe und unterstütze so dein Pferd,  überschüssige Magensäure gezielt abzupuffern, damit es sich wieder wohl fühlt.

Wenn ich gerade so an mein Pferd denke, glaube ich zu wissen, was es stresst. Dies sind zum Beispiel unregelmäßige Fütterungszeiten, allgemeine Unruhe zu den Hauptzeiten im Stall oder eine volle Reithalle. Mir fällt direkt ein, wie mein Pferd sich verhält, wenn es Stress hat. Es schlägt vermehrt mit dem Schweif, frisst nicht, verhält sich seinen Boxennachbarn gegenüber gereizt und ich spüre eine allgemeine Anspannung und höhere Reizbarkeit.

Unterschiedliche Symptome bei Stress

Wie uns Menschen auch, schlägt Stress Pferden auf den Magen, da sich ein gestresster Pferdeorganismus ähnlich verhält wie der eines Pferdes, welches auf der Flucht ist. Um in solchen Situationen die Muskeln besser zu versorgen, wird dem Verdauungssystem weniger Blut zur Verfügung gestellt, wodurch der Verdauungsprozess verlangsamt wird. Da das Pferd aber rund um die Uhr Magensäure produziert, greift diese nun die Magenschleimhaut an und somit resultieren aus dauerhaftem Stress nicht selten Magengeschwüre.

Doch gibt es auch Faktoren, die unser Pferd stressen, welche wir vielleicht gar nicht kennen, geschweige denn merken, dass sie unser Pferd belasten?

Stress ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen, da nicht jedes Pferd eindeutige Symptome wie beispielsweise bei Mauke oder Hufrehe äußert. Die Stressfaktoren können ganz unterschiedlicher Herkunft sein. Häufig ist Stress eine Folge der Haltung, aber auch das Training, allgemeine Überforderung oder erhöhte Sensibilität des Pferdes können Stress auslösen.

Wie erkenne ich, ob mein Pferd Stress hat?

Pferde reagieren sehr unterschiedlich auf Stress. Während das eine Pferd auf Angriff geht, kann es sein, dass das andere Pferd in der gleichen Situation erstarrt oder flüchtet. Bei der Arbeit, beispielsweise unter dem Sattel oder an der Hand, ist Stress meist leichter zu erkennen, als wenn das Pferd im Stall oder auf der Weide steht.

Zum einen liegt dies daran, dass wir das Pferd dann bei uns haben und so direkt eine Wesensveränderung feststellen können, indem das Pferd angespannt und klemmig ist, ein festes Maul und hochgezogene Augen hat, sich nicht mehr so leicht reiten lässt oder permanent unter Strom steht, mit dem Schweif schlägt und bei jeder Gelegenheit kurz davor ist, zu explodieren.

Zum anderen bedarf es einer längeren und genaueren Beobachtung, um festzustellen, ob das Pferd durch sein Umfeld und seine Haltung gestresst ist, da Pferde dies nicht immer eindeutig äußern und häufig ihr Verhalten ändern, wenn sich der Besitzer nähert.

Immer wieder hört und liest man als betroffener Besitzer eines Magengeschwürpatienten, dass die Stressfaktoren beseitigt werden müssen. Problematisch wird es allerdings, wenn man nicht weiß, welches die Auslöser sind, die das Pferd stressen.

Daher sollte man sich Zeit nehmen, um herauszufinden, warum das Pferd unter Stress steht. Dass das Pferd durch seinen Boxennachbarn gestresst ist, fällt meist schnell auf, wenn es deutliches Abwehrverhalten äußert.

Es kann sich lohnen, auszuprobieren und zu testen, was dem Pferd am besten tut, jedoch sollte man nicht von Reitstall zu Reitstall wechseln, um nach dem fünften Stallwechsel in einem Jahr festzustellen, dass sich nichts ändert.

Viele Besitzer versuchen, gerade wenn es eine stressbedingte Vorbelastung gibt, ihre Pferde so natürlich und stressarm wie möglich zu halten, um Magengeschwüren vorzubeugen. Daher wird sich in solchen Fällen oftmals für Offenstallhaltung in Gruppen entschieden. Doch was macht man, wenn sich nichts am Zustand des Pferdes ändert oder er sich gar verschlimmert?

Haltung hat einen großen Einfluss auf Stressempfinden

Beispielsweise kann eine Offenstallhaltung das Pferd noch mehr stressen, wenn es mit der Rangordnung nicht zurechtkommt. Dies kann sowohl rangniedrige als auch ranghohe Pferde betreffen.

Wir sollten unserem Pferd daher auch Zeit geben, anzukommen, sich einzugewöhnen und sich auf neue Situationen einzustellen. Häufig sind wir es, die unsere Pferde durch unser Verhaltung und bestimmte Vorstellungen stressen. Unsere Vorstellungen eines perfekten Umfeldes für unser Pferd entsprechen nicht immer denen unserer Pferde.

Es gibt durchaus Pferde, die es bevorzugen, in der Box anstatt im Offenstall gehalten zu werden oder lieber alleine auf dem Paddock stehen als in der Gruppe.

Stress übertragen

Wenn wir gestresst sind, sind es unsere Pferde meist auch. Wessen Stress ursächlich für den des anderen ist, ist häufig allerdings ungeklärt. Klar ist jedoch, dass sich Stress sowohl vom Pferd auf den Menschen als auch vom Menschen auf das Pferd überträgt.

So gehen angespannte Reiter meist mit klemmigen, nicht losgelassenen Pferden einher. Und häufig ist dies ein Teufelskreislauf, da sich der Reiter eines gestressten Pferdes mehr und mehr verspannt und so die Anspannung auf das Pferd überträgt, welches dadurch noch mehr gestresst ist.

Wir sollten uns daher immer wieder vor Augen führen, dass wir uns im Umgang mit unseren Pferden entspannen müssen, unseren Alltagsstress nicht mit in den Stall nehmen und unsere Erwartungen unseren Pferden gegenüber manchmal etwas herunterschrauben müssen, um wieder eine entspanntes, losgelassenes Pferd zu haben, denn dann klappt es auch wieder mit der Kommunikation zwischen Reiter und Pferd.

Mehr zum Thema

Dich interessiert, warum Pferde zu Stress neigen und was Du tun kannst, um sie vor stressigen Situationen zu bewahren? Lies auf unserer Übersichtsseite zum Thema Stress unter anderem über die 5 Freiheiten zur Analyse von Stressauslösern.