Ob eine Fütterung mit Heulage bei Pferden sinnvoll ist, ist stark umstritten. Noch weiter gehen die Meinungen bei der Frage auseinander, ob Heulage ein geeignetes Futtermittel für Pferde mit Magen- und/ oder Darmproblemen ist.

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Die Verdauung des Pferdes ist auf energiearmes, rohfaserreiches Futter ausgelegt, welches das Pferd über den ganzen Tag verteilt aufnimmt. Daran hat sich in der gesamten Zeit der Domestikation des Pferdes nichts geändert. Was sich hingegen stark verändert hat, sind die Haltungsbedingungen sowie die Futteraufnahme oder genauer gesagt die Fütterung der Pferde. Die meisten Pferde werden in Boxen gehalten, kommen tagsüber auf die Weide oder das Paddock und werden 2-3 mal täglich gefüttert.

Wenn sie Glück haben, können sie tagsüber auf der Weide Gras fressen oder ihnen wird draußen Raufutter in Raufen angeboten, um das es häufig aufgrund zu weniger Fressplätze Rangkämpfe gibt. Wenn es ganz schlecht läuft, steht das Pferd ausschließlich in der Box und darf sich über über Bewegung unter dem Sattel oder in der Führanlage und seine täglichen Mahlzeiten freuen. All diese Faktoren haben einen negativen Einfluss auf das Verdauungssystem und die Gesundheit des Pferdes. Zu diesen Faktoren kommt auch hinzu, dass Pferde nicht immer das zu fressen bekommen, was für ihren Magen-Darmtrakt am besten ist. 

Viele Pferde sind heutzutage in großen Reitställen untergebracht, in denen Arbeitswirtschaft eine wichtige Rolle spielt. Da ist es schwierig, jedem Pferd haltungs- und fütterungstechnisch gerecht zu werden. Die Besitzer kommen meist nur einmal täglich, um ihr Pferd zu reiten, schieben ihm zwischendurch das eine oder andere Leckerli zwischen die Zähne und nach dem Reiten gibt es dann meist noch mal “ein bisschen hier, ein bisschen da” zur Belohnung in die Krippe.

Hinzu kommt, dass nicht immer ideale Bedingungen zur Raufutterproduktion vorherrschen und die Lagerungskosten für Futter hoch sind. Aus diesem Grund wird in vielen Reitställen Heulage gefüttert. Wenn es witterungsbedingt nicht möglich ist, qualitativ hochwertiges Heu zu produzieren, da es beispielsweise droht zu regnen, wird alternativ häufig Heulage produziert.  

Wie unterscheidet sich Heulage von Heu?

Anders als Heu, welches durch Trocknung konserviert wird und idealerweise einen Restfeuchtegehalt von maximal 15 % aufweist, wird Heulage durch Gärung konserviert. Um eine möglichst hohe Qualität des Heus zu gewährleisten, sollte der Feuchtegehalt so gering wie möglich sein. So kann eine bessere Lagerfähigkeit gewährleistet werden. Zudem sinkt so das Risiko von Schimmel und anderen Verunreinigungen mit Mikroorganismen. Hierfür wird es mehrfach gewendet, damit es gleichmäßig durchtrocknet. Die Trocknungszeit des Grasschnittes für die Heuproduktion beträgt 3-4 Tage und erfordert gutes Wetter.

Da die Zeitfenster für die Produktion von Heu häufig eng sind und immer das Risiko besteht, dass es regnet, während das Mähgut noch nicht aufgepresst ist, macht es die Produktion ein wenig kniffliger als die von Heulage, bei der ein kleiner Regenschauer etwas weniger dramatisch ist. Bei Heulage wird ein Feuchtegehalt von ca. 40-50 % angestrebt. Anders als Heu, das in kleine HD-Ballen, Quaderballen oder Rundballen gepresst wird, wird Heulage in der Regel in Rundballen gepresst und anschließend mit Folie luftdicht umwickelt. Das Mähgut wird dann durch den Silierungsprozess haltbar gemacht. Hierbei verbrauchen Mikroorganismen den im Ballen vorhandenen Sauerstoff.

Diese sogenannten Milchsäurebakterien, die sich ohne Sauerstoff vermehren können, bilden dadurch Milchsäure, wodurch ein saures Milieu entsteht. Für die Silierung ist es wichtig, dass sich die Milchsäurebakterien schnell entwickeln und dass das Gras durch die Milchsäureproduktion schnell einsäuert. Andernfalls kann es zur Bildung von Acetat, Butyrat sowie Alkohol oder Hefen, Pilzen und anderen Mikroorganismen kommen. All diese wirken sich negativ auf die Qualität der Heulage aus. Die Heulage sollte rasch einen ph-Wert von ca. 4,2 erreichen. So ist gewährleistet, dass fäulnisbildende Keime sowie krankheitserregende Clostridien abgetötet werden.

Welche Vorteile bietet Heulage?

Da Heulage in Folie gewickelt ist, kann sie auch gut draußen gelagert werden. Dies bedeutet, dass nicht so viel Lagerplatz benötigt wird wie für Heu, wodurch die Lagerkosten der Heulage niedriger sind. Durch den höheren Feuchtegehalt ist Heulage wesentlich staubärmer als Heu und somit für Pferde, die unter Atemwegserkrankungen leiden, geeignet. Hinzu kommt, dass Heulage eine hohe Schmackhaftigkeit besitzt und von den meisten Pferden gerne gefressen wird.

Welche Nachteile hat Heulage?

Die in der Silage enthaltenen Milchsäurebakterien können einen negativen Einfluss auf die Darmflora des Pferdes haben, wodurch diese aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Außerdem kann es durch den niedrigen ph-Wert der Heulage zu einer Übersäuerung des Verdauungssystems und des gesamten Organismus des Pferdes kommen. Der vom Pferd durch das Kauen gebildete Speichel ist nicht ausreichend, um die für die Verdauung notwendige Magensäure und zusätzlich die in der Heulage enthaltene Milchsäure abzupuffern. Folglich kommt es zu einer Übersäuerung. Hinzu kommt, dass das Pferd aufgrund des höheren Feuchtegehalts der Heulage weniger Kauschläge benötigt als für Heu. Dadurch speichelt das Pferd das Futter weniger ein und bildet so weniger Natriumbicarbonat, welcher für die Abpufferungs der Magensäure essentiell ist. 

Wird Heulage nicht fest genug gepresst, kann es dazu kommen, dass nicht der gesamte im Ballen enthaltene Sauerstoff durch die Milchsäurebakterien abgebaut wird, wodurch sich sauerstoffliebende Keime vermehren. Ein Verderb des Heulageballens ist die Folge.

Welche Gefahren birgt Heulage fürs Pferd?

Wie bereits erwähnt, kann es zum einen zu einer Übersäuerung führen. Aber viel gefährlicher ist es, wenn die Einsäuerung nicht rasch genug erfolgt bzw. der pH-Wert nicht weit genug absinkt, denn dadurch vermehren sich Clostridien, die das Nervengift Botulin bilden. Dies hemmt die Signalübertragung der Nervenzellen. Erste Anzeichen hierfür sind Lähmungserscheinungen und Koliken. 

Wird sehr eiweißreiches Gras vergoren, kommt es zu Bildung biogener Amine. Diese verursachen Durchfall und Blähungen beim Pferd. Eine häufige Folge sind Koliken. 

Sollte man also Heu der Heulage immer vorziehen?

Generell kann man sagen, dass Heu das für Pferde beste Raufuttermittel ist. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass die Qualität einwandfrei ist. Besteht die Gefahr, dass das gemähte Gras vor dem Pressen nass regnet, ist abzuwägen, ob man eine bessere Qualität durch das Einwickeln und somit der Produktion von Heulage erzielen kann, als wenn das Heu nass regnet und später staubig oder gar schimmelig ist. 

Pferden mit Atemwegserkrankungen wird häufig Heulage gefüttert und dies kann insofern auch Sinn machen als dass die Auswirkungen der Heulage auf die Verdauung geringer als die von Staub im Heu auf die Atemwege sind. So etwas muss jedoch immer individuell abgewogen werden.

Durch die hohe Schmackhaftigkeit der Heulage gibt es auch Pferde, die diese besser fressen als Heu. Wenn es darum geht, dass das Pferd sein Heu verweigert oder einfach viel zu wenig davon frisst, sollte man darüber nachdenken, zusätzlich oder ausschließlich Heulage anzubieten. Eine gute Qualität ist natürlich vorausgesetzt. 

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Auf unserer Themenseite Fütterung von Pferden mit Magenproblemen findest du viele weitere Informationen rund um die Pferdefütterung. 

Magenkranke Pferde benötigen zusätzliche Unterstützung. Es ist wichtig zu wissen, welche Futtermittel für dein Pferd geeignet sind und welche eher vermieden werden sollten.