Kolik im Herbst: Was das Risiko fürs Pferd wirklich erhöht
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Das Verdauungssystem des Pferdes ist auf große Mengen strukturreichen Futters ausgelegt. Pferde sind ursprünglich Steppentiere, die vielfältige, aber karge Vegetation gewohnt waren. Ihre Verdauung ist bis heute auf die kontinuierliche Aufnahme kleiner Futtermengen eingestellt.
Unter natürlichen Bedingungen verbringen Pferde rund 12 bis 16 von 24 Stunden mit der Futteraufnahme. Sie teilen sich das Futter in etwa zehn Mahlzeiten auf und pausieren dabei freiwillig nicht länger als drei bis vier Stunden. Anders als wir Menschen können Pferde Rohfaser gut verwerten. Im Dickdarm zerlegen Mikroben die Gerüstsubstanzen aus dem Raufutter. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren, die über die Darmwand ins Blut gelangen und der Energieversorgung dienen.
Raufutter ist damit der tragende Teil der Ration. Bei einem magenempfindlichen Pferd kommt ein zweiter Punkt dazu. Der Pferdemagen produziert rund um die Uhr Magensäure. Das natürliche Gegenstück dazu ist das Bikarbonat im Speichel. Speichel entsteht beim Pferd aber nur beim Kauen.
TL;DR - Raufutter beim Pferd
Raufutter ist bei einem magenempfindlichen Pferd einer der wichtigsten Hebel, weil es bestimmt, wie lange das Pferd kaut. Beim Kauen entsteht Speichel. Das Bikarbonat darin ist der natürliche Säurepuffer. Für ein Kilo Raufutter entstehen 3 bis 5 Kilo Speichel, für ein Kilo Krippenfutter nur 1 bis 1,5 Kilo.
Ausreichend Raufutter, gut über den Tag verteilt, ist damit nicht nur Nährstofflieferant, sondern auch natürlicher Magensäurepuffer. Worauf es ankommt, sind Qualität, Menge und Verteilung.
Menge. Rechne mit 2 Kilo Trockenmasse je 100 Kilo Körpergewicht, das sind rund 2,3 Kilo Heu. Die Untergrenze liegt bei 1,7 Kilo Heu je 100 Kilo, auch für ein Pferd auf Diät. Beim 600-Kilo-Pferd also rund 14 Kilo Heu am Tag und gut 10 Kilo als Minimum, beim 200-Kilo-Pony entsprechend rund 4,6 und 3,4 Kilo.
Qualität. Den meisten Magenpferden passt spät geschnittenes Heu aus dem ersten Schnitt. Viel Struktur für lange Kauzeiten, ohne zu viel Energie.
Verteilung. Die Abendportion sollte die größte sein, mindestens die Hälfte der Tagesmenge. Sonst wird die Nacht zu lang. Ziel sind Fresspausen von höchstens vier Stunden, besser weniger.
Inhalt
Der natürliche Säureschutz ist damit direkt an die Zeit gekoppelt, die dein Pferd mit Fressen verbringt. Und da unterscheiden sich die Futterarten erheblich. Für ein Kilogramm Raufutter bildet ein Pferd 3 bis 5 Kilo Speichel, für ein Kilogramm Krippenfutter nur 1 bis 1,5 Kilo (Coenen und Vervuert 2019). Es frisst eben deutlich länger daran. Ein Großpferd bildet 40 bis 90 Milliliter Speichel pro Minute, ein Kleinpferd 20 bis 60.
Raufutter ist damit der Posten in der Ration, der über Stunden hinweg Speichel erzeugt. Kraftfutter ist in wenigen Minuten weg.
Das Verdauungssystem des Pferdes ist darauf ausgelegt, ca. 12 bis 16 Stunden am Tag mit langsamer Nahrungsaufnahme zu verbringen. Selbst im Stall teilen sich Pferde bei freiem Zugang ihr Futter in rund zehn Mahlzeiten auf. Freiwillig pausieren sie dabei nicht länger als drei bis vier Stunden. So fasst eine Arbeit aus dem Jahr 2020 den Forschungsstand zusammen (Baumgartner et al. 2020).
Eine Fütterung mit zwei oder drei Heumahlzeiten am Tag kann weit von diesem Muster entfernt sein, es sei denn, die Portionen sind entsprechend groß und das Pferd macht selbstständig Fresspausen.
Die Mindestmenge ist klar beziffert. Das Standardwerk zur Pferdefütterung nennt 1,7 Kilo Heu je 100 Kilo Körpermasse am Tag, das entspricht 1,5 Kilo Trockenmasse (Coenen und Vervuert 2019). Das ist die Untergrenze für den reinen Erhalt, ohne Arbeit. Auch ein Pferd auf Diät bekommt nicht weniger.
Beim gesunden, nicht übergewichtigen Pferd rechnest du in der Praxis eher mit 2 Kilo Trockenmasse je 100 Kilo Körpermasse, also mit rund 2,3 Kilo Heu je 100 Kilo.
Maßgeblich ist immer das Gewicht deines Pferdes. Ein 600-Kilo-Pferd kommt damit auf rund 14 Kilo Heu am Tag und auf gut 10 Kilo als Untergrenze. Bei einem 200-Kilo-Pony sind es rund 4,6 Kilo und 3,4 Kilo.
Heu enthält noch rund zwölf Prozent Wasser. Trockenmasse und Heumenge sind deshalb nicht dasselbe. Wenn du beim 600-Kilo-Pferd 12 Kilo Trockenmasse einplanst und 12 Kilo Heu auf die Waage legst, fütterst du zu wenig.
Das sind grobe Linien. Eine individuelle Rationsplanung geht natürlich vor. Mehr dazu in unserem Artikel zur Rationsberechnung.
Gras ist das Raufutter, das dem natürlichen Fressmuster am nächsten kommt. Auf der Weide verteilt sich die Aufnahme über Tag und Nacht. Lange Pausen entstehen dabei von selbst nicht.
24 Stunden Weide. Hier löst sich die Fresspausenfrage praktisch von allein. Die Punkte weiter unten zur Nachtlücke und zur Verteilung betreffen dich dann kaum. Dafür rücken andere Fragen nach vorn: der Zuckergehalt im Gras, der Zustand der Weide im Jahresverlauf und das Anweiden im Frühjahr.
Stundenweise Weide. Hier ist die Rechnung eine andere. Die Weidestunden verkürzen die Fresspause nur in dem Zeitfenster, in dem das Pferd draußen steht. Vier Stunden Weide am Nachmittag helfen nicht gegen eine Lücke zwischen 17 und 7 Uhr. Umgekehrt kann die Weidezeit eine ohnehin kurze Pause weiter verkürzen, wenn sie günstig liegt. Rechne die Weidestunden also nicht pauschal auf die Tagesmenge an, sondern schau, welche Lücke sie tatsächlich schließen.
Gras ist in jedem Fall Teil der Ration und sollte bei der Heumenge mitgedacht werden, damit nicht viel zu viel gefüttert wird. Jeder Wechsel zwischen Weide und Stall ist ein Futterwechsel, im Frühjahr wie im Herbst. Mehr zum Anweiden im Frühjahr und zur Futterumstellung im Herbst.
Heu in guter Qualität sollte im Stall die Grundlage sein. Alles andere ergänzt oder ersetzt es nur in bestimmten Situationen.
Heulage wird nur teils getrocknet und vor allem vergoren. Für den Magen hat das zwei Nachteile. Das Pferd kaut durch den höheren Feuchtegehalt weniger und bildet dadurch weniger Speichel. Und die enthaltene Milchsäure kommt zur Magensäure dazu.
Dazu kommt, dass sich 14 Kilo Heu nicht einfach durch 14 Kilo Heulage ersetzen lassen.
Heulage enthält mehr Wasser. Heu liegt bei 86 bis 88 Prozent Trockensubstanz, Heulage je nach Machart bei 50 bis 75. Für die Trockenmasse, die das Pferd benötigt, um keinen Hunger zu haben, bräuchtest du mehr Kilo, bei 60 Prozent rund 1,5 Kilo je Kilo Heu (Coenen und Vervuert 2019). Aber: Gleichzeitig sind die Nährstoffgehalte in Heulage normalerweise höher als in Heu, wodurch du gerade weniger füttern solltest (Coenen und Vervuert 2019). Was unter dem Strich herauskommt, hängt vom konkreten Ballen ab.
Ist die Heulage energiereich, musst du die Menge begrenzen, damit dein Pferd nicht zu dick wird. Weniger Futter heißt weniger Fresszeit.
Dazu kommt, dass Heulage empfindlicher ist als Heu. Sie konserviert sich über die Gärung. Die muss schnell genug einsetzen und den Ballen sauer genug machen. Gelingt das nicht, vermehren sich die falschen Keime. Ein angestochener Ballen ist außerdem offen und muss zügig verfüttert werden. Was bei Herstellung und Lagerung schiefgehen kann und wann Heulage trotz allem die bessere Wahl ist, steht in unserem Artikel zu Heulage bei Magenpferden.
Stroh ist kein ausreichendes Raufutter, kann aber eine gute Ergänzung und Beschäftigung sein. Es liefert eher wenig Nährstoffe und ist sehr strukturreich. Eine unkontrollierte Aufnahme kann zu Verstopfungen im Dickdarm führen (Coenen und Vervuert 2019).
Luzerne gilt vielen bei Magenpferden als einfache Lösung. Der Ruf als Säurepuffer ist nicht aus der Luft gegriffen, eine Ration aus Luzerne und Getreide hob in einer Untersuchung den pH-Wert im Magen an (Nadeau et al. 2000).
Für deutsche Ställe stellt sich die Frage trotzdem selten. Luzerne ist vor allem dort eine Lösung, wo gutes Heu knapp ist, etwa in trockenen Regionen.
Studien weisen auf Probleme bei der Häcksel-Form hin, gerade für magensensible Pferde. In einer Studie an Absetzern wurden Schädigungen der Magenschleimhaut am Magenausgang festgestellt, die bei Fütterung von Luzernehäckseln wesentlich schwerwiegender waren als bei Heufütterung (Vondran et al. 2016). Ein kleiner Versuch an erwachsenen Pferden deutete in dieselbe Richtung (Vondran et al. 2017), dort wurden allerdings nur 6 Pferde untersucht. Die Ergebnisse sind zwar interessant, aber bei der kleinen Gruppe nicht aussagekräftig. Das Standardwerk der Pferdefütterung hält große Mengen an Häckseln deshalb für vermutlich nachteilig, weil mechanische Läsionen durch die hartstängeligen Partikel nicht auszuschließen sind (Coenen und Vervuert 2019). Abschließend erforscht ist das nicht.
Solange gutes Heu verfügbar ist, gibt es wenig Grund, auf eine Alternative mit möglichen Nachteilen auszuweichen. Wenn du Luzerne einsetzen willst, nimm Pellets statt Häcksel.
Auch Heu ist nicht gleich Heu. Zwischen zwei Ballen vom gleichen Lieferanten, aber von unterschiedlichen Wiesen oder aus unterschiedlichen Chargen, können deutliche Unterschiede liegen. Für ein magenempfindliches Pferd ist das nicht egal.
Schnittzeitpunkt. Je später das Gras gemäht wird, desto mehr Rohfaser und desto weniger Energie steckt im Heu. Das Pferd muss länger kauen. Je früher gemäht wird, desto energiereicher und weicher wird das Heu. Und desto schneller ist es aufgegessen. Hier muss aber das richtige Maß gefunden werden aus länger und strukturreicher, aber genügend Nährstoffgehalt und Verfügbarkeit für das Pferd. Zu spät geschnittenes Gras verholzt und ist für das Pferd wiederum schwer verdaulich.
Einen Tag, an dem gemäht werden muss, gibt es nicht. Selbst die amtlichen Empfehlungen liegen auseinander. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein setzt den optimalen Schnittzeitpunkt an, wenn die Hauptbestandsbildner in der Blüte stehen. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen geht weiter und nennt den Erntezeitpunkt für strukturreiches Heu erreicht, wenn etwa 75 Prozent der Gräser den Samenstand gebildet haben, je nach Höhenlage und Jahr etwa Mitte Juni (LLH 2021).
Entsprechend unterschiedlich fallen die Zielwerte aus. Schleswig-Holstein strebt 25 bis 30 Prozent Rohfaser in der Trockenmasse an, ausdrücklich mit der Begründung, dass die Kauaktivität und damit die Speichelproduktion ausreichen muss. Hessen nennt für strukturreiches Heu 27 bis 32 Prozent.
Für ein magenempfindliches Pferd liegt der gute Bereich im oberen Teil dieser Spanne. Dort ist genug Struktur für lange Kauzeiten da, ohne dass die Energie zum Problem wird. Vollends überständiges Heu ist dagegen keine Lösung, weil Verdaulichkeit und Nährstoffgehalt zu stark abfallen und das Pferd es oft auch nicht gern frisst.
Wann tatsächlich gemäht wird, entscheidet am Ende das Wetter. Oft gibt schlicht die nächste Schönwetterperiode den Ausschlag. Genau deshalb fallen zwei Ballen desselben Jahrgangs so unterschiedlich aus.
Für die meisten Magenpferde passt eher spät geschnittenes Heu aus dem ersten Schnitt. Es liefert genug Struktur zum Kauen, ohne so viel Energie mitzubringen, dass die Menge begrenzt werden muss. Gerade bei leichtfuttrigen Pferden ist das ein entscheidender Punkt. Gewollt lange Fresszeiten und ein energiereiches Heu vertragen sich schlecht, weil du dann zwangsläufig die Menge kürzt und damit die Fresspausen verlängerst.
Heu aus dem zweiten Schnitt ist meist blattreicher und rohfaserärmer. Als alleiniges Raufutter reicht die Struktur oft nicht. In dem Fall lässt sich Futterstroh untermischen.
Was du selbst beurteilen kannst. Die Nährwerte und eine mögliche Keimbelastung sagt dir nur eine Futtermittelanalyse im Labor. Die lohnt sich, wenn du die Ration ernsthaft planen willst oder Probleme mit dem Heu vermutest. Die Analyse muss dann allerdings für jede Heucharge gemacht werden. Wenn der Lieferant oft wechselt, ist das kaum möglich. Vieles erkennst du aber schon am Ballen:
Staub ist ein eigenes Thema. Aufschütteln auf der Stallgasse erhöht die Staubbelastung in der Luft und belastet Mensch und Tier unnötig. Bei staubigem Heu senkt korrektes Bedampfen die Belastung deutlich (Coenen und Vervuert 2019).
Wässern vs. Bedampfen. Beides senkt den Staub, allerdings muss das Heu dazu wirklich gewaschen werden, reines Beträufeln mit der Gießkanne zeigt keine Wirkung (Coenen und Vervuert 2019). Wässern schwemmt zusätzlich einen Teil des Zuckers aus, deshalb wird es gern bei Pferden mit Stoffwechselproblemen eingesetzt. Dafür geht nasses Heu schnell in die Gärung, gerade im Sommer. Gewässertes Heu muss deshalb frisch angesetzt und verfüttert werden, es darf nicht mehrere Stunden stehenbleiben. Reste sollten vollständig aus den jeweiligen Raufen entfernt werden. Bedampfen erhitzt das Heu und senkt dabei die Keimzahl, lässt den Zucker aber weitgehend drin. Dafür kann es normalerweise problemlos innerhalb von 24 Stunden gefüttert werden.
Wenn dein Pferd nicht mehr richtig kauen kann, etwa wegen Zahnproblemen im Alter, reicht Heu irgendwann nicht mehr. Das Standardwerk der Pferdefütterung setzt die Grenze bei weniger als einem Kilo Heu je 100 Kilo Körpermasse und empfiehlt dann eingeweichte Alternativen, etwa Grünmehlpellets bzw. Heucobs mit rund 2 Kilo je 100 Kilo am Tag (Coenen und Vervuert 2019). Die Fresszeit ist meist kürzer als bei Heu, umso wichtiger wird die Verteilung über den Tag.
Jeder Wechsel der Heucharge ist ein Futterwechsel, auch wenn äußerlich alles gleich aussieht. Rohfaser, Energie und Keimgehalt ändern sich mit dem Schlag, dem Schnitt und dem Erntewetter.
Idealerweise wird die neue Charge über drei bis fünf Tage untergemischt. Das gilt ausdrücklich auch für den Wechsel von einer Heusorte oder Charge auf eine andere (Coenen und Vervuert 2019). Ein plötzlicher Wechsel zählt zu den wichtigsten Fütterungsfehlern bei Koliken (Coenen und Vervuert 2019).
Dass das nicht nur Theorie ist, zeigt eine Studie auf 31 Höfen in Virginia und Maryland. Pferde mit mehr als einem Heuwechsel im Jahr hatten ein etwa doppelt so hohes Kolikrisiko wie Pferde ohne Wechsel (Tinker et al. 1997).
Im Pensionsstall merkst du den Wechsel oft gar nicht:
Im Herbst kommt der Chargenwechsel selten allein, sondern zusammen mit dem Ende der Weidesaison, mehr Boxenzeit und oft der Wurmkur. Wie du diese Wochen planst, steht in unserem Artikel zur Futterumstellung im Herbst.
Auf diese Frage gibt es je nach Quelle leicht unterschiedliche Antworten.
Am Verhalten gemessen sind es drei bis vier Stunden. So lange unterbrechen Pferde die Futteraufnahme freiwillig (Baumgartner et al. 2020).
Die deutschen Haltungsleitlinien empfehlen ebenfalls höchstens vier Stunden und an insgesamt mindestens zwölf Stunden am Tag Raufutter (BMEL 2009).
Aus der Forschung zu Magengeschwüren kommt eine weitere Grenze. Das Konsenspapier der europäischen Pferdeinternisten nennt Raufutterpausen von mehr als sechs Stunden als Risikofaktor (Sykes et al. 2015).
Nicht nur der Magen reagiert. Nüchterungsphasen von mehr als zwölf Stunden stehen als Auslöser für Verstopfungen im Dickdarm, weil die Mikroflora an Aktivität verliert (Coenen und Vervuert 2019).
Bei einem magenempfindlichen Pferd würden wir uns an maximal vier Stunden halten, besser weniger.
Rechne es einmal für dein eigenes Pferd durch. Bedenke dabei aber auch die Fresszeit. Mancher Pferdebesitzer rechnet schlicht von Fütterung zu Fütterung und vergisst dabei, dass die Fresspause erst beginnt, wenn das Futter aufgefressen ist. Zwischen einer Abendfütterung zum Beispiel um 17 Uhr und der Morgenfütterung um 7 Uhr liegen 14 Stunden.
Für ein Kilo langes Heu braucht ein Großpferd in der Regel 25 bis 50 Minuten, ein Kleinpferd rund 80 Minuten (Coenen und Vervuert 2019). Das ist reine Fresszeit ohne Pausen. Wenige Pferde fressen ihre gesamte Portion in einem Zug, die meisten machen Pausen, dösen und schlafen. Die Portion hält also länger vor, als die Fresszeit allein vermuten ließe.
Bei 14 Kilo Tagesration und sieben Kilo am Abend kommst du auf knapp drei bis knapp sechs Stunden reine Fresszeit für die Abendportion. Die Lücke bis zum Morgen ist damit im Extremfall elf Stunden lang, bei den meisten Pferden wesentlich kürzer. Wichtig ist dabei das individuelle Verhalten: Frisst das Pferd sein gesamtes Heu auf einmal auf und macht dann erst Pause? In dem Fall wird die Nacht lang. Idealerweise macht es freiwillig zwischendurch Fresspausen und verteilt sich sein Heu so über die Nacht. Einfacher Indikator: Ist morgens noch ein wenig Heu übrig und das Pferd wirkt entspannt? Oder findet sich kein Halm mehr und es wartet schon sehnsüchtig auf das Frühstück? Besser ist natürlich eine Kamera.
In den meisten Ställen ist die Nacht die längste Zeit bis zur nächsten Fütterung. Falls das bei dir anders ist, rechne entsprechend.
Eine Beobachtungsstudie an 104 Pferden auf zehn Betrieben hat die tatsächlichen Fresspausen in der Nacht gemessen (Baumgartner et al. 2020). Bei den Pferden auf Spänen, die also außer ihren Heumahlzeiten nichts zu fressen hatten, dauerte die nächtliche Pause im Mittel 8 Stunden und 50 Minuten. Das Minimum lag bei 6 Stunden 45 Minuten, das Maximum bei 13 Stunden 24 Minuten. Bei 55 der 74 Pferde auf Spänen, also bei knapp drei von vier, war die Pause länger als vier Stunden.
Aus derselben Studie kommen noch zwei Beobachtungen, die im Stall weiterhelfen.
Für die Abendportion brauchten die Pferde im Mittel 4 Stunden und 48 Minuten. Das passt zu der Rechnung oben und zeigt, dass eine großzügige Abendgabe über mehrere Stunden trägt.
Und die Pferde auf Stroh hatten diese nächtliche Pause nicht, weil ihre Einstreu essbar ist. Sie machten außerdem häufiger und früher Pausen beim Fressen als die Pferde auf Spänen. Die Pferde ohne essbare Einstreu fraßen also hastiger.
Hier liegt der wirksamste Hebel, ohne zusätzliches Heu zu geben.
Bei drei Mahlzeiten ist diese Verteilung empfehlenswert: ein Viertel morgens, ein Viertel mittags und die Hälfte abends, bei Bedarf auch zwei Drittel abends (Coenen und Vervuert 2019). Die höhere Zuteilung am Abend hilft, das längere Intervall bis zum nächsten Morgen zu überbrücken. Gerne auch 5 oder 6 Intervalle, aber immer die größte Ration zur längsten Pause.
Wird das Heu stattdessen zu gleichen Teilen auf die Mahlzeiten verteilt, kann die Fresspause nachts an die zwölf Stunden heranreichen. Wenn du abends um 20:00 durch den Stall gehst und die Pferde ihr Abendessen schon aufgefressen haben, ist die Fresspause definitiv zu lang.
Was sonst noch hilft:
Bei Pferden ohne Übergewichtsneigung ist frei verfügbares Raufutter die einfachste Lösung. Die Fresspausenfrage erledigt sich damit von selbst, das Pferd reguliert sich.
Für einen Teil der Pferde geht das nicht auf. Leichtfuttrige Pferde und Pferde mit Stoffwechselproblemen nehmen bei freiem Zugang zu viel auf. Die übliche Antwort darauf ist, die Menge zu kürzen. Damit verlängerst du genau die Pausen, die du kurz halten willst.
Ein möglicher Ausweg ist der Nährstoffgehalt. Spät geschnittenes, rohfaserreiches Heu bringt lange Fresszeiten bei weniger Energie je Kilo. Erst wenn das nicht reicht, wird die Menge begrenzt. Dann aber über mehr Portionen statt über weniger.
Eine Zwischenlösung ist, einen Teil der Ration als Stroh anzubieten, wenn dein Pferd es verträgt. Als alleiniges Raufutter taugt Stroh nicht, als Streckung der Fresszeit schon.
Als Einstreu nennt das Standardwerk der Pferdefütterung vor allem langgehäckseltes, frisches und gut geerntetes Hafer-, Roggen- oder Weizenstroh (Coenen und Vervuert 2019). In der Praxis unterscheiden sich die Sorten deutlich. Die folgende Einordnung stammt aus unserer Erfahrung, nicht aus einer Studie:
Unabhängig von der Sorte gilt: Stroh ist sehr strukturreich und schwer verdaulich. Für Weizenstroh liegt die Verdaulichkeit bei 33 Prozent, der Ligninanteil ist hoch (Coenen und Vervuert 2019). Eine unkontrollierte Aufnahme kann zu Verstopfungen im Dickdarm führen. Beobachte also, wie viel dein Pferd tatsächlich frisst.
Von Heunetzen in der Box würden wir eher abraten. Das Verletzungsrisiko ist zu hoch, wenn das Pferd darin hängen bleibt. Eine feste Raufe oder ein Heusack ohne Haken und Ösen, an denen ein Huf hängen bleiben kann, sind eine sicherere Lösung.
Das hat vor allem den Vorteil, dass die gesamte Heuration im Pferd landet und nicht zertrampelt wird.
Vom verlangsamten Fressen solltest du dir nicht zu viel versprechen. Aus sehr engmaschigen Netzen unter 30 Millimeter wird Heu im Mittel nur 5 bis 10 Minuten je Kilogramm langsamer gefressen als aus grobmaschigen mit 75 Millimeter (Coenen und Vervuert 2019). Bei sieben Kilo Abendheu sind das gut eine halbe bis gut eine Stunde. Gegen eine Fresspause von acht bis elf Stunden hilft das kaum.
Die meisten genannten Punkte setzen voraus, dass du über Menge und Zeiten der Fütterung selbst bestimmst. In einem Pensionsstall ist das selten der Fall. Einige Punkte, die du trotzdem beeinflussen kannst:
Wie viel Zucker steckt im Heu? Mehr, als viele denken. Der Gehalt schwankt dazu mit Schnittzeitpunkt und Wetter. Als Zielwert für alle Pferde nennt der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen Heu mit unter 10 Prozent Zucker und unter 5 Prozent Fruktan in der Trockenmasse (LLH 2021). Wissen kannst du das nur über eine Analyse. Für Pferde mit Stoffwechselproblemen sollte das Heu deshalb regelmäßig analysiert oder gezielt nach Analyse eingekauft werden.
Wann wird Übergewicht gefährlich? Möglichst lange Fresszeiten und Gewichtskontrolle können zum Konflikt werden. Bei Magenpferden kann etwas zu viel Gewicht bei kurzen Fresspausen immer noch der bessere Weg sein, aber echtes Übergewicht birgt ganz eigene Probleme.
Futtermanagement: Heu oder Kraftfutter zuerst? Heu zuerst. Immer erst Raufutter, Krippenfutter erst 15 bis 30 Minuten später (Coenen und Vervuert 2019). Dann trifft das Getreide nicht auf einen leeren Magen.
Bei diesen Pferden sind möglichst kurze Fresspausen noch einmal wichtiger. Nimm sie noch ernster als beim robusten Pferd, also eher Richtung zwei bis vier Stunden als Richtung sechs.
Als tägliche Unterstützung kann ein Säurepuffer sinnvoll sein. Equine 74 Gastric puffert überschüssige Magensäure, statt die Säureproduktion zu blockieren. Es ist für die tägliche Fütterung gedacht, zur Vorbeugung und für die Zeit nach einer tierärztlichen Behandlung. Ein Ergänzungsfutter ersetzt keine Diagnose und keine Therapie. Bei Verdacht auf ein Magengeschwür gehört dein Pferd in tierärztliche Hand.
Wie lange darf eine Fresspause beim Pferd sein?
Die deutschen Haltungsleitlinien empfehlen höchstens vier Stunden und an mindestens zwölf Stunden am Tag Raufutter (BMEL 2009). Das Konsenspapier der europäischen Pferdeinternisten nennt sechs Stunden als Risikogrenze für Magengeschwüre (Sykes et al. 2015). Pferde selbst pausieren freiwillig nicht länger als drei bis vier Stunden (Baumgartner et al. 2020). Bei einem magenempfindlichen Pferd würden wir uns an vier Stunden halten, besser weniger.
Wie berechne ich den Heubedarf meines Pferdes?
Als Untergrenze 1,7 Kilo Heu je 100 Kilo Körpermasse, in der Praxis eher 2 Kilo Trockenmasse je 100 Kilo, was rund 2,3 Kilo Heu entspricht. Beim 600-Kilo-Pferd sind das rund 14 Kilo. Mehr dazu unter Rationsberechnung.
Wie viel Heu frisst ein Pferd am Tag?
Faustregel: Angeboten werden sollten rund 2 Kilo Trockenmasse je 100 Kilo Körpermasse. Pferde mit freiem Heuzugang können zwar das Doppelte am Tag fressen, sollten es aber nicht.
Wie lange frisst ein Pferd an einem Kilo Heu?
Ein Großpferd 25 bis 50 Minuten, ein Kleinpferd rund 80 Minuten (Coenen und Vervuert 2019). Das ist reine Fresszeit ohne Pausen.
Mein Pferd steht nachts zwölf Stunden ohne Heu. Ist das schlimm?
Ja, wenn es wirklich zwölf Stunden Fresspause hat. Zwölf Stunden zwischen zwei Fütterungen können dagegen problemlos sein, wenn die Portion groß genug ist, die Fresszeit entsprechend lang und das Pferd zwischendurch selbst Pausen macht.
Auf unserer Themenseite Fütterung von Pferden mit Magenproblemen findest du viele weitere Informationen rund um die Pferdefütterung.
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