Pferde sind bekanntlich Steppentiere. Anatomisch und physiologisch sind sie von sich aus ziemlich gut an das Leben auf der Weide angepasst, indem sie einerseits Gras verwerten können, andererseits ermöglicht die permanente Produktion von Magensaft eine ständige Futteraufnahme. Weideflächen in menschlicher Obhut sind allerdings weitaus mehr als lediglich grüne Futterspender für Pferde. Damit sie aber nicht nur satt, sondern auch gut mit Nährstoffen versorgt sind, braucht es ein gutes Weidemanagement und einen Blick auf die dort wachsenden Pflanzen.

Eine gute Versorgung mit Nährstoffen über Weidepflanzen ist beinahe ein Wettlauf gegen die Zeit - völlig unabhängig von der Pflanzenvielfalt. Junge Pflanzen sind noch weich, enthalten also kaum holzige Anteile und können daher sehr gut im Verdauungstrakt auseinandergenommen und die Nährstoffe vom Körper aufgenommen werden. Diese Situation ändert sich deutlich mit Einsetzen der Blüte und nachfolgender Samenproduktion.

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Was ist Lignin?

Verantwortlich ist das Lignin, eine Art Stabilisator, dessen Anteil mit zunehmendem Alter der Pflanze ansteigt. Üblicherweise sagt man dann auch, dass die Pflanze verholzt. Damit sinkt dann aber leider die Verdaulichkeit, die Bakterien im Darm können die Pflanzenfasern also nicht mehr so gut aufschließen, um an die Nährstoffe zu gelangen.

Der Zeitpunkt der Beweidung ist aber nur ein Aspekt, wenn es darum geht, dass Pferde möglichst viele Nährstoffe über die Weide aufnehmen. Ein anderer Aspekt betrifft die Blätter mancher Pflanzen, denn deren Verdaulichlichkeit ist höher im Vergleich zum härteren Stängel. An dieser Stelle kann jetzt leicht der Eindruck entstehen, dass hölzerne, oder unverdauliche Anteile in Pflanzen überhaupt nicht erwünscht seien. Tatsächlich braucht es für ein gesundes Verdauungssystem deines Pferdes aber auch genau diesen Anteil, der letztlich sicherstellt, dass sich das Futter durch den Verdauungstrakt bewegt. Zu hoch sollte der unverdauliche Anteil aber auch nicht sein, ansonsten kann es auch ganz direkt zu Verstopfungen kommen, die dann Koliken auslösen.

Luzerne in der Pferdefütterung

Jetzt kommen wir mal langsam zur Luzerne, um die es in diesem Artikel schließlich gehen soll. Dabei handelt es sich um eine Leguminose, die in Symbiose mit Knöllchenbakterien lebt. Diese Symbiose kannst du dir sogar ansehen, denn die kleinen Knöllchen sind an den Wurzeln problemlos zu sehen. Darin leben die Bakterien, die etwas Großartiges können: Sie nehmen Stickstoff direkt aus der Luft auf und machen ihn gewissermaßen im Boden nutzbar. Das ist allerdings eher ein netter Nebeneffekt, schließlich „denken“ die Bakterien zuerst an sich. Lediglich überschüssiger Stickstoff wird dann an die Luzerne und den Boden abgegeben. Damit gehört die Luzerne wie alle Leguminosen dank der Bakterien zu den boden-verbessernden Pflanzen und unterstützt eine nachhaltige Weidenutzung.

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Ist Luzerne gut für Pferde?

Auf der Weide ist die Luzerne also schon mal großartig und das trifft auch auf ihren Wert als Futterpflanze zu. Dabei unterscheidet sie sich wie andere Leguminosen von gewöhnlichen Gräsern: Der Gehalt an Protein und Calcium ist in der Luzerne deutlich höher. Wir reden dabei von 16-20 % Protein bei der Luzerne im Vergleich zu 4-12 % bei üblichen Gräsern. Calcium sollte zwar ein wichtiger Bestandteil der Fütterung sein, schließlich besteht dein Pferd zu einem großen Teil daraus, allerdings übersteigt der Anteil in der Luzerne den Bedarf deines Pferdes. Sollte das vorhandene Raufutter allerdings von nicht allzu guter Qualität sein, kann die Luzerne eine gute Ergänzung sein, um die Ration aufzuwerten.

Inwieweit Luzerne bei ingesamt guter Qualität des Grundfutters überhaupt nötig ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Bei jungen Pferden, die noch wachsen, ist ein höherer Anteil an Proteinen natürlich wünschenswert. Das gilt übrigens auch für Stuten, die gerade ein Fohlen mit Milch versorgen müssen. Die richtige Rationsgestaltung ist natürlich auch ganz grundsätzlich wichtig, damit dein Pferd optimal mit Nährstoffen versorgt wird. Neben einer guten Futterqualität spielen dabei auch das Alter deines Pferdes, ein Ereignis wie zum Beispiel eine Trächtigkeit oder auch die körperliche Aktivität eine Rolle.

Rationsgestaltung des Pferdes

In Bezug auf die für dein Pferd optimale Rationsgestaltung geht es meist um das korrekte Verhältnis von Kraft- zu Raufutter. Als Orientierung wird dabei ein Modellpferd verwendet, das 500 kg wiegt, ausgewachsen und gesund ist und sich lediglich eine Stunde pro Tag bewegt. Ein solches Pferd benötigt ca. 60 MJ ME (Energie) für seinen Erhalt, welche überwiegend durch Raufutter gedeckte werden kann. Erwachsene bzw. alte Pferde, die nicht mehr körperlich arbeiten müssen, kommen meist gänzlich ohne Kraftfutter aus. Je mehr Arbeit von einem Pferd verlangt wird, desto höher ist der Anteil des Kraftfutters. 


Calcium: schadet es deinem Pferd?

Neben Protein enthält die Luzerne auch mehr Calcium im Vergleich zu anderen Weidepflanzen. Sollte mehr Calcium im Körper eintreffen als dieser gebrauchen kann, wird der Überschuss einfach über die Nieren ausgeschieden. Hier ist wichtig zu beachten, dass Calcium und Phosphor im Körper „zusammenwirken“. Damit das gut funktioniert, sollte eine Ration immer mehr Calcium als Phosphor enthalten (Verhältnis 2:1). 


Achtung bei der Futterumstellung beim Pferd 

Wir wissen bereits, dass Pferde Steppentiere sind, die ständig Nahrung aufnehmen können, während die Bakterien im Darm dem Futter die Nährstoffe entnehmen und diese so für den Körper bereitstellen. Das ist also eine sehr wichtige Aufgabe. So eine Bakterienpopulation im Darm ist sehr vielfältig und passt sich dabei dem zu verdauenden Futter an. Das bedeutet aber auch, dass jegliche Futterwechsel oder auch nur Änderungen in der Rationsgestaltung eben jene Bakterien-Population kräftig durcheinander wirbeln.

Die Folgen eines zu schnellen Wechsels des angebotenen Futters können Verstopfungen und schlimmstenfalls Koliken sein, ebenso können aber auch Durchfälle auftreten. Solltest du dein Pferd im Sommer auf der Weide halten, hast du einen solchen Futterwechsel zwei Mal pro Jahr. Im Frühling kommt dein Pferd auf die Weide und beißt nach einer winterlichen Periode im Stall und viel Heu erstmals wieder in frisches Gras.

Damit die Bakterien im Darm keinen Herzinfarkt bekommen und sich stattdessen in Ruhe auf die neue Situation einstellen können, solltest du die Weidezeit zu Beginn noch begrenzen. Im Herbst gilt dann das Gleiche, nur eben andersrum: nach einer langen Phase der Weidefütterung folgt nun Heu. Für die Umstellung solltest du deinem Pferd schon während der Weidephase Heu anbieten, bevor dann die endgültige Stallhaltung folgt.

 

Hilft Luzerne gegen Magengeschwüre beim Pferd?

Die Fähigkeit der ständigen Nahrungsaufnahme unserer Pferde dank der permanenten Produktion von Magensäure ist wirklich großartig - auf der Weide irgendwo in einer Prärie. In menschlicher Obhut kann diese Eigenschaft schon mal zu einer Herausforderung werden, wenn die Weide durch einen Stallboden oder einen Anhänger ersetzt wurde. Bleibt der Magen dann leer, sind die Wände des Magens der Säure schutzlos ausgesetzt. Auf diese Weise können Läsionen - also leichte Verletzungen - entstehen, die sich dann zu Magengeschwüren entwickeln können. Mit einer guten Versorgung faserreichen Grundfutters - auch Raufutter genannt - lässt sich die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Magengeschwüren zumindest verringern.

Das passiert auf zwei Wegen: zum einen müssen Pferde das Raufutter lange und sorgfältig kauen, wobei das Futter sorgfältig eingespeichelt wird. Der bicarbonathaltige Speichel mildert die aggressive Wirkung der Säure im Magen ab. Gleichzeitig verweilt das Futter eine ganze Weile im Magen und kann die Wände so vor der Säure schützen - zumindest solange, bis es weitertransportiert wird. Dann wird es Zeit für die nächste Portion. Kraftfutter, das den anderen Teil der Futterration deines Pferdes darstellt, ist übrigens weniger gut strukturiert und kann diese Schutzfunktion daher nicht gleichwertig übernehmen. Außerdem muss das Kraftfutter meist weniger gut gekaut werden, es gelangt somit auch weniger Speichel als Puffer in den Magen.

Eine faserreiche Fütterung deines Pferdes ist also nicht nur gut für die Verdauung im Darm, sondern spielt auch schon eine wichtige Rolle im Magen. Das soll hier keine Abhandlung über Magenschwüre an sich werden, aber eine Info muss noch sein: Der Anteil jener von Magengeschwüren betroffener Pferde ist mit 70-80 % ziemlich hoch auch Freizeitpferde sind zu 40 % betroffen. Es ist also gut möglich, dass du auch mal mit Magengeschwüren bei deinem Pferd konfrontiert sein wirst.

Kann die Luzerne die Magengeschwüre deines Pferdes heilen?

Luzerne werden im Zusammenhang mit Magengeschwüren einige positive Eigenschaften zugeschrieben, darunter gar eine heilende Wirkung, wenn schon Magengeschwüre entstanden sind. Die grundsätzlich wichtigen Eigenschaften des Raufutters - zu dem die Luzerne gehört - wurden hier schon erläutert. Darüberhinaus gab es mehrere Untersuchungen, in denen von Magengeschwüren betroffenen Pferden eine Kraftfutterration mit Luzerne verabreicht wurde, während die jeweilige Kontrollgruppe aus Pferden bestand, die nur übliches Raufutter bekamen.

Es begann im Jahr 2000 an der University of Tennessee. Wenn wir die Infos dieses Artikels kurz Revue passieren lassen, hätte es den Pferden mit der Kraftfutterration deutlich schlechter gehen müssen aufgrund der schlechteren Pufferung und des verringerten Schutzes der Magenwände. Dank der hinzugefügten Luzerne ging es diesen Tieren aber besser als jenen mit der normalen Raufutter-Ration. Kleiner Wermutstropfen: an der Studie waren nur sechs Pferde beteiligt.

2007 wurden die Ergebnisse an der Texas A&M University erneut aufgegriffen und untersucht, ob sie sich wiederholen ließen. Dieses Mal waren 24 Pferde beteiligt. Für die Studie bekamen die Pferde in der einen Gruppe pelletiertes Kraftfutter mit normalem Heu, während die anderen Pferde ebenfalls pelletiertes Kraftfutter erhielten - allerdings kombiniert mit Heu aus Luzerne. Als Ergebnis kam heraus, dass Magengeschwüre entweder weniger stark ausgebildet wurden oder die Entwicklung gleich verhindert wurde.

Zu guter Letzt gibt es noch eine Studie aus Neuseeland. Für die dortige Studie wurden 12 Pferde ausgewählt, die alle unter Magengeschwüren litten. Diese Pferde wurden dann über einen Zeitraum von sechs Wochen mit einer Silage aus Luzerne gefüttert. Silage ist praktisch Sauerkraut, es werden also Pflanzen durch Milchsäure vergoren und damit konserviert. Wichtig: Es darf während dieses Vorgangs kein Sauerstoff dazukommen. Zurück zum Versuch: Bereits nach 4 Wochen der Fütterung mit Silage aus Luzerne konnten angeblich keine Magengeschwüre bei den Pferden mehr nachgewiesen werden.

All diese Untersuchungen im Zusammenhang mit der Luzerne können beeindruckende Ergebnisse vorweisen. Allerdings ist die Anzahl der in den Versuchen „verwendeten“ Pferde extrem klein. Während der Studie aus Neuseeland kam nicht mal eine Kontrollgruppe zum Einsatz, die man mit normaler Gras-Silage hätte füttern müssen, was die Untersuchung beinahe wieder entwertet. Trotzdem ist dieser Überblick wichtig, um zu verstehen, dass eine gewisse Vorsicht geboten ist, sollte Luzerne präventiv oder direkt zur Behandlung von Magengeschwüren empfohlen werden.

 

Kann Luzerne den Magen meines Pferdes schützen?

Allerdings gibt es noch eine andere Eigenschaft der Luzerne, die weit weniger zweifelhaft ist. Wenn du diesen Artikel von Beginn an gelesen hast, kennst du bereits das Lignin und weisst, dass dein Pferd junge Pflanzen am besten verdauen kann, da deren Ligningehalt noch gering ist. Ausgerechnet Lignin bietet aber auch einen besseren Schutz vor der aggressiven Magensäure. Proteine und Calcium haben einen ganz ähnlichen Effekt. Die Luzerne enthält genau davon reichlich und auch etwas mehr Lignin im Vergleich zu anderen Pflanzen. Trotzdem solltest du deinem Pferd nicht vorbeugend mit Luzerne vollstopfen. Wie gesagt, die hohen Anteile an Protein und Calcium kann nicht jedes Pferd sinnvoll verwerten. Während überschüssiges Calcium dann einfach über die Nieren ausgeschieden wird, geht das mit Proteinen nicht so leicht. Und ein dickes Pferd ist auch nicht gesund.

Am Ende des Tages ist die Luzerne abseits aller Studien und besonderer Eigenschaften immer noch eine faserreiche Pflanze, die damit als Grund- oder Raufutter auch grundsätzlich eine wichtige Rolle in der ausgewogenen Ernährung deines Pferdes spielen kann.

Fazit

Die Luzerne ist in vielerlei Hinsicht eine wichtige Pflanze. Auf der Weide unterstützt sie als Leguminose die nachhaltige Nutzung und damit auch das dortige Ökosystem. Sie ist aber ebenso eine wertvolle Futterpflanze für dein Pferd mit hohen Gehalten wichtiger Nährstoffe - grundsätzlich immer etwas zu hoch. Das hängt aber auch von Alter und der aktuellen Situation deines Pferdes ab. Als Aufwertung des üblichen Grundfutters ist es ebenfalls super, wenn nicht sogar besser. In Bezug auf Magengeschwüre lässt sich sagen, dass Luzerne eine faserreiche Pflanze ist und als solche zusammen mit allen anderen Weidepflanzen perfekt zum Speiseplan deines Pferdes passt. So hilft die Luzerne zweifellos auch gegen Magengeschwüre.

Interessieren dich noch andere Futtermittel, die deinem Pferd mit Magengeschwüren helfen oder allgemein die Fütterung deines Pferdes bereichern könnten? Hier haben wir dir ein Futtermittel-ABC zusammengestellt.