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Magensäure beim Pferd - Freund und Feind zugleich

Geschrieben von Tanja Dietz | 13. Jan 2026

Magensäure spielt im Verdauungssystem des Pferdes eine zentrale Rolle.
Sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig können das empfindliche Gleichgewicht im Magen stören – mit Folgen für Verdauung, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit.

TL;DR - Magensäure beim Pferd

Magensäure ist für Pferde lebenswichtig: Sie startet die Eiweißverdauung, schützt vor Keimen und bereitet das Futter auf die weitere Verdauung vor.

Probleme entstehen nicht durch die Säure selbst, sondern dann, wenn das Gleichgewicht zwischen Säure und körpereigenen Schutzmechanismen gestört ist. Pferde produzieren rund um die Uhr Magensäure und sind deshalb auf kontinuierliche Futteraufnahme, lange Kaudauer und Speichelbildung angewiesen.

Fresspausen, große Kraftfuttermengen, Stress oder Training mit leerem Magen führen dazu, dass Säure zu lange auf empfindliche Magenbereiche trifft – besonders im oberen, drüsenlosen Teil.

Ein stabiles Magenmilieu entsteht durch pferdegerechte Fütterung, ausreichend Raufutter, Stressreduktion und – wenn nötig – pH-stabilisierende Ergänzungen. Nicht die Magensäure ist der Feind, sondern ein dauerhaftes Ungleichgewicht.

 

Inhalt

Kurzer Exkurs: Wie der Pferdemagen aufgebaut ist

Der Pferdemagen besteht aus zwei sehr unterschiedlichen Bereichen, die ganz verschieden auf Magensäure reagieren:

Der drüsenhaltige Teil (unten)

Hier wird die Magensäure gebildet. Dieser Bereich ist durch eine dicke Schleimschicht gut geschützt und kann extrem niedrige pH-Werte problemlos aushalten.

Der drüsenlose Teil (oben)


Dieser Abschnitt besitzt kaum eigenen Säureschutz. Senkt sich der pH-Wert zu stark ab – etwa bei längeren Fresspausen oder stärkehaltigen Mahlzeiten – wird die Schleimhaut schnell gereizt.

Die Übergangszone zwischen beiden Bereichen ist besonders empfindlich. Viele säurebedingte Probleme entstehen genau dort, wenn der Magen länger leer ist oder Fütterungsrhythmen nicht zur natürlichen Biologie des Pferdes passen.

Für eine ausführliche Beschreibung des Pferdemagens und seiner Schleimhaut findest du auf unserer Themenseite Magengeschwür weiterführende Informationen.

Magengeschwüre (EGUS: equine gastric ulcer syndrome) können in beiden Teilen entstehen. Sind sie im oberen (drüsenlosen) Teil anzutreffen, spricht man von ESGUS - equine squamous gastric ulcer syndrome. Im unteren, drüsenhaltigen Teil hingegen von EGGUS - equine glandular gastric ulcer syndrome. Letztere sind deutlich weniger erforscht, zu den Ursachen der Geschwüre in diesem eigentlich gut geschützten Bereich gibt es noch kaum belastbare Studien.

Was ist Magensäure überhaupt?

Magensäure ist keine homogene Flüssigkeit, sondern ein komplexes Gemisch aus verschiedenen Komponenten, die zusammen die Verdauung im Magen ermöglichen und den Futterbrei für den Darm vorbereiten.

Die wichtigsten Bestandteile von Magensäure:

Salzsäure (HCl)

Sie sorgt für den sehr niedrigen pH-Wert von etwa 1–2 im unteren Magenbereich. Salzsäure löst Futterstrukturen auf und schafft die Bedingungen, die Verdauungsenzyme benötigen.

Pepsinogen / Pepsin

Pepsin ist ein eiweißspaltendes Enzym, das erst im sauren Milieu aktiviert wird. Ohne diese Aktivierung kann das Pferd Proteine nicht optimal verwerten.

Schleim und Elektrolyte

Sie schützen die Magenwand im drüsenhaltigen Bereich und stabilisieren das chemische Milieu.

Der Mageninhalt eines Pferdes ist nie gleich: Je nach Fütterung, Kautätigkeit und Stressniveau verändert sich das Verhältnis von Säure, Schleim, Futterpartikeln und Enzymen laufend.

Aufgaben der Magensäure - warum sie unverzichtbar ist

Magensäure wird oft nur als „Risiko“ wahrgenommen, dabei erfüllt sie mehrere lebenswichtige Aufgaben im Verdauungssystem des Pferdes. Entscheidend ist nicht die Säure an sich, sondern wie kontrolliert und wo sie wirkt.

Eiweißverdauung starten

Magensäure aktiviert das Enzym Pepsin, das Eiweiße bereits im Magen aufspaltet. Ohne ausreichend niedrigen pH-Wert bleibt Pepsin inaktiv – und unverdaute Proteine gelangen in den Darm, wo sie Fehlgärungen begünstigen können.

Schutz vor Keimen und Schadstoffen

Der extrem niedrige pH reduziert die Keimbelastung von Futter und Wasser. Bakterien, Schimmelsporen und Hefen, die im Raufutter ganz natürlich vorkommen, werden dadurch größtenteils unschädlich gemacht.

Steuerung der Magenentleerung

Magensäure beeinflusst den Zeitpunkt, an dem Futter in den Dünndarm weitergeleitet wird. Ein zu hoher oder zu niedriger Säuregehalt kann diese Regulierung durcheinanderbringen – mit Folgen für den gesamten Verdauungsablauf.

Vorbereitung des Futters für die weitere Verdauung

Die Säure löst Futterstrukturen auf, denaturiert Proteine und bereitet Pflanzenfasern so vor, dass sie im Darm besser verwertet werden können.

Kurz gesagt:
Magensäure ist unverzichtbar. Probleme entstehen erst dann, wenn sie zu lange, zu konzentriert oder an ungünstigen Stellen mit der Magenwand in Kontakt kommt.

Wie viel Magensäure produziert ein Pferd?

Pferde produzieren bis zu 30 Liter Magensaft pro Tag.

Natürliche Gegenspieler der Magensäure

Damit der Pferdemagen trotz kontinuierlicher Säureproduktion im Gleichgewicht bleibt, verfügt er über mehrere effektive Schutzmechanismen. Diese funktionieren jedoch nur dann optimal, wenn Fütterung und Haltung zur natürlichen Biologie des Pferdes passen.

1. Speichel - der wichtigste natürliche Säurepuffer

Speichel enthält relevante Mengen Bicarbonat, das Magensäure neutralisiert und den pH-Wert anhebt.

Wichtig zu wissen:

  • Pferde produzieren nur beim Kauen Speichel – nicht beim bloßen Fressen von (schlabberigem) Kraftfutter, nicht beim Lecken und nicht „einfach so“.
  • Je länger die Kaudauer, desto mehr Speichel wird gebildet.
  • Raufutter ist deshalb der wichtigste Schlüssel für eine natürliche pH-Stabilisierung.

2. Raufutter - mechanischer Schutz vor Säurekontakt

Faserreiches Raufutter bildet im Magen eine Art "Schutzmatte", die: 

  • die Säure im drüsenhaltigen unteren Bereich hält
  • den empfindlichen oberen Bereich vor direktem Säurekontakt schützt

Fehlt diese Faserstruktur, kann die Säure leichter nach oben steigen und dort die Schleimhaut reizen. Außerdem regt Raufutter die Kautätigkeit an, wodurch mehr Speichel produziert wird.

3. Schleim - der wichtigste körpereigene Schutz im unteren Magen

Der drüsenhaltige Teil des Magens schützt sich selbst vor der Säure durch:

  • einen dicken, zähen Schleimfilm (Muzinschicht)
  • Prostaglandine, die die Schleimproduktion und Durchblutung fördern
  • eine sehr hohe Zellteilungsrate, die kleine Schäden schnell repariert
  • eine dichte Zellbarriere, die verhindert, dass Säure tief in das Gewebe eindringt

Exkurs: Warum Prostaglandine für den Magenschutz so wichtig sind

Prostaglandine sind körpereigene Botenstoffe, die im Magen zwei zentrale Schutzfunktionen übernehmen:

  • Sie fördern die Produktion der schützenden Schleimschicht.
  • Sie verbessern die Durchblutung der Schleimhaut, damit kleine Schäden schnell repariert werden können. 

Studien zeigen, dass entzündungshemmende Schmerzmittel wie Phenylbutazon oder Flunixin die körpereigene Magenschleimhautempfindlichkeit erhöhen, weil sie die Bildung schützender Prostaglandine hemmen. Dadurch werden Schleimproduktion, Durchblutung und Reparaturmechanismen der Schleimhaut geschwächt – und die Magenschleimhaut reagiert empfindlicher, selbst bei normaler Säureproduktion (Flood & Stewart, 2022).

Magenschleimhautprobleme entstehen oft nicht, weil zu viel Säure da ist, sondern weil die körpereigenen Schutzsysteme geschwächt sind.

ph-Werte im Pferdemagen - was Studien zeigen

Der pH-Wert im Pferdemagen ist nicht überall und nicht zu jeder Zeit gleich. Er verändert sich je nach Magenregion, Fütterung, Stress und Bewegung. Moderne 24-Stunden-Messungen geben ein sehr klares Bild:

Drüsenhaltiger Teil (unten): pH 1 - 2

Dieser Bereich produziert die Magensäure und ist darauf ausgelegt, dauerhaft ein extrem saures Milieu auszuhalten.

Typische Eigenschaften:

  • konstant niedriger pH-Wert
  • nur geringe Schwankungen über den Tag
  • ideale Bedingungen für Pepsin und die Vorverdauung von Eiweißen
  • Schleimhaut normalerweise gut geschützt

Drüsenloser Teil (oben): ph 3 - 7

Dieser Abschnitt reagiert deutlich empfindlicher auf Säure. Studien zeigen:

  • pH schwankt stark je nach Futteraufnahme
  • fällt bei Fresspausen oder Stärkefütterung schnell in den sauren Bereich
  • steigt wieder an, sobald Raufutter gekaut wird (mehr Speichel, mehr Puffer)

Hier entscheidet vor allem das Fütterungsmanagement, wie gut oder schlecht die Schleimhaut geschützt ist.

Was Magensäure aus dem Gleichgewicht bringt

Viele Probleme im Magen entstehen nicht durch „zu viel Säure“, sondern dadurch, dass die Säure zu lange am falschen Ort wirkt. Verschiedene Faktoren können das empfindliche Gleichgewicht im Magen stören:

Fresspausen über mehr als 4-5 Stunden

Lange Pausen sind der wichtigste Risikofaktor für einen zu niedrigen pH-Wert im drüsenlosen oberen Magenbereich.

Warum?

  • keine Kaubewegung → kein Speichel → kein Puffer
  • Magensäure wird durchgehend produziert
  • Säure gelangt leichter in den ungeschützten Bereich

Große Mengen Kraftfutter

Kraftfutter beeinflusst das Säuremilieu im Magen gleich mehrfach:

  • geringe Kaudauer → weniger Speichel → weniger natürlicher Puffer
  • der Magen entleert sich schneller, weil Kraftfutter energiedicht ist, keine faserreiche Matte bildet und den Magen schneller passiert
  • es bildet sich keine schützende Fasermatte, wie sie Raufutter im Magen erzeugt

Besonders problematisch ist stärkereiches Kraftfutter (z. B. Getreide):

  • Stärke führt zu einem schnelleren und stärkeren pH-Abfall,

  • fördert die Bildung flüchtiger Fettsäuren,

  • und kann die empfindliche Schleimhaut zusätzlich reizen.

Tipp am Rande: Kraftfutter ist nicht grundsätzlich schlecht – auch nicht für Pferde mit empfindlichem Magen. Entscheidend sind Zusammensetzung, Fütterungszeitpunkt und Menge.
Raufutter sollte immer vor dem Kraftfutter gefüttert werden. Nach etwa 30 Minuten ist bereits genügend Speichel (Bicarbonat) gebildet und eine schützende Fasermatte im Magen entstanden, die den oberen, empfindlichen Bereich vor Säurekontakt schützt. Wesentlich mehr dazu erfährst du auf unseren Themenseiten zur Fütterung von Pferden mit Magenproblemen.

Stress und Unruhe

Stress führt nicht zwingend zu „mehr Säure“, aber er beeinflusst den Magen auf andere, entscheidende Weise:

  • die Magenentleerung verlangsamt sich
  • die Säure bleibt länger im empfindlichen Bereich
  • viele Pferde fressen bei Stress weniger → erneut weniger Speichel

Der Effekt: Die Säureeinwirkung wird verlängert.

Das Stresslevel eines Pferdes ist sehr individuell. Folgende Faktoren sind häufig für Stress verantwortlich:

  • starker Stalllärm
  • Futterstress
  • Rangordnungskonflikte
  • unregelmäßige Tagesstrukturen
  • häufig wechselnde Bezugspersonen

Mehr zum Thema Stress und dessen Einfluss auf den Pferdemagen findest du auf unserer ausführlichen Themenseite Stress bei Pferden

Training: der „Acid Splash“-Effekt

Beim Reiten werden Mageninhalt und Säure durch die Bewegung regelrecht hochgeschwappt.
Problematisch wird das vor allem, wenn:

  • der Magen leer ist

  • wenig Raufutter im Vorfeld gefressen wurde

  • das Pferd bereits Stress oder Säureüberschuss hat

Eine kleine Portion Heu 30–60 Minuten vor dem Reiten kann diesen Effekt deutlich reduzieren.

Transport & Routinen

Transport ist wissenschaftlich gut untersucht:

  • der pH-Wert fällt messbar ab

  • Pferde fressen oft wenig oder gar nicht

  • Stress + Fresspause verstärken sich gegenseitig

Auch Routineänderungen oder Stallwechsel können kurzfristig das Säuregleichgewicht stören.

Ungleichgewicht zwischen Säure und Schutzmechanismen

Alle oben genannten Faktoren führen am Ende zu genau einem Problem:

Die Säure trifft stärker oder länger auf Bereiche, die keinen eigenen Schutz besitzen oder deren Schutz beeinträchtigt ist.

Das Ergebnis kann sein:

  • Reizungen der Schleimhaut

  • Veränderungen im pH-Milieu

  • Folgeprobleme im Darm

  • schlechtere Verdauung und Futterverwertung

  • Schmerzen und Leistungsabfall

Magensäure neutralisieren oder unterstützen – was wirklich hilft

Magensäure ist nicht grundsätzlich schlecht – entscheidend ist, dass sie nicht unkontrolliert an den empfindlichen oberen Magenbereich gelangt und dass die Schutzmechanismen im unteren Magenbereich korrekt funktionieren.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Säurehaushalt zu unterstützen. Einen ausführlichen Vergleich zwischen Magenschutz, Säurepuffern und Säureblockern findest du hier:

Was unterscheidet Magenschutz, Säurepuffer und Säureblocker?

 

Kurz zusammengefasst:

Säureblocker – nur bei klarer medizinischer Indikation

Arzneimittel wie Omeprazol reduzieren die Säureproduktion drastisch.
Sie sind wichtig bei diagnostizierten Magengeschwüren, aber nicht für die dauerhafte Prophylaxe geeignet, da sie das natürliche Magenmilieu verändern. Ist keine Magensäure vorhanden, kann sie ihren eigentlichen Aufgaben in der Verdauung auch nicht nachkommen.

Natürliche Säurepuffer – überschüssige Säure binden

Pufferstoffe wie Calciumcarbonat oder spezielle Algenpräparate können überschüssige Säure abfangen, ohne die notwendige Säureproduktion komplett zu unterdrücken.

Dazu gehört auch Equine 74 Gastric: Es bindet überschüssige Säure und stabilisiert den pH-Wert über einen längeren Zeitraum, ohne die Verdauungsfunktion zu blockieren.

Magenschoner - Unterstützung für die Schleimhaut

Magenschoner wirken nicht auf die Säure selbst, sondern unterstützen die Magenschleimhaut. Besonders geeignet sind pektinreiche Futtermittel wie ungezuckerte Rübenschnitzel. Pektine können zusammen mit Magensäure und Speichel eine gelartige Schutzschicht bilden, die die Schleimhaut kurzzeitig entlastet.

Pektinhaltige Zusätze zeigen in einzelnen Studien (z.B. Woodward et al., 2014) positive Effekte auf Magenschleimhaut und Läsionen, sind aber keine Garantie. Ihre Wirkung hängt sehr stark von Fütterung, Fressrhythmus, Gesundheit und Management ab.

 

Mythen & Missverständnisse rund um Magensäure

Rund um Magensäure und Magenschutz kursieren viele Annahmen, die in der Praxis immer wieder zu falschen Entscheidungen führen. Diese Mythen halten sich hartnäckig – obwohl sie wissenschaftlich widerlegt sind.

Mythos 1: „Magensäure ist grundsätzlich schlecht.“ 

Fakt:
Magensäure ist lebensnotwendig. Sie aktiviert Enzyme, schützt vor Keimen und sorgt dafür, dass Futter richtig verdaut wird.

Probleme entstehen nicht durch die Säure selbst, sondern durch u.a.:

Nicht die Säure ist der Feind – sondern ein Ungleichgewicht.

Mythos 2: „Magenschutz oder Omeprazol kann man einfach vorbeugend geben.“

Fakt:
Omeprazol reduziert die Säureproduktion sehr stark. Das ist bei einem diagnostizierten Magengeschwür in der Akutphase sinnvoll – aber für gesunde Pferde problematisch.

Warum?

  • Weniger Magensäure bedeutet eine beeinträchtigte Proteinverdauung, da Pepsin bei höheren pH-Werten weniger aktiv ist. Außerdem fehlt ein wichtiger Schutzmechanismus gegen Keime und Bakterien, die über das Futter aufgenommen werden.

  • Nach dem Absetzen kann es kurzzeitig zu Rebound-Effekten (überschießende Säureproduktion) kommen.

Prävention funktioniert am besten über Fütterung, Kaudauer, Stressreduktion und pH-stabilisierende Futtermittel – nicht über Säureblocker.

Mythos 3: „Säureprobleme bedeuten automatisch Magengeschwüre.“

Fakt:
Ein gereizter Magen ist nicht automatisch gleich ein Magengeschwür. Allerdings können Magengeschwüre sehr schnell entstehen. Es lohnt sich also, aufmerksam zu sein und bei einem Verdacht den Tierarzt hinzuzuziehen.

Eine eindeutige Diagnose kann nur mittels Gastroskopie gestellt werden.

Mythos 4: „Heu ad libitum reicht als Magenschutz.“

Fakt:
Heu ist der wichtigste Baustein, aber kein vollständiger Schutz.

Denn:

  • auch bei Heu ad libitum können Stress, Transport, Training oder Unruhe den pH-Wert beeinflussen

  • individuelle Sensibilität spielt eine große Rolle

  • pH-stabilisierende Ergänzungen können trotzdem sinnvoll sein

Heu bildet die Basis – aber nicht die ganze Lösung. Und ganz nebenbei: Lange nicht jedes Pferd verträgt unbegrenzten Zugang zu Heu.

Mythos 5: „Wenn mein Pferd schlecht frisst, hat es zu viel Magensäure.“

Fakt:
Appetitlosigkeit kann viele Ursachen haben:

  • Zahnprobleme

  • Schmerzen

  • Stoffwechselstörungen

  • Stress

  • Darmprobleme

  • Magenschleimhautreizungen (nicht zwingend wegen zu viel Säure)

Ein „Überschuss an Säure“ ist daher nur eine von vielen möglichen Ursachen. Viele Symptome, die mit dem Magen in Verbindung gebracht werden, können ebenso gut durch völlig andere Erkrankungen entstehen. Erst die Gesamtschau aller Befunde – inklusive Fütterung, Verhalten, klinischer Untersuchung und ggf. Gastroskopie – erlaubt eine verlässliche Einschätzung.

FAQ - Magensäure beim Pferd

 

Quellen

Woodward, M. C., Huff, N. K., Garza, F., Keowen, M. L., Kearney, M. T., & Andrews, F. M. (2014).
Effect of pectin, lecithin, and antacid feed supplements on gastric ulcer scores, gastric fluid pH and blood gas values in horses. BMC Veterinary Research, 10(Suppl 1), S4. https://doi.org/10.1186/1746-6148-10-S1-S4

Damke, Cornelia & Snyder, Alice & Uhlig, Albrecht & Coenen, Manfred & Schusser, Gerald. (2015). Impact of diet on 24-hour intragastric pH profile in healthy horses. Berliner und Münchener tierärztliche Wochenschrift. 128. 345-349. 10.2376/0005-9366-128-345.

Bell, R. J. W., Mogg, T. D., & Kingston, J. K. (2007). Equine gastric ulcer syndrome in adult horses: A review. New Zealand Veterinary Journal, 55(1), 1–12. PDF: https://irp-cdn.multiscreensite.com/d048e3f1/files/uploaded/U-Equine%20gastric%20ulcer%20syndrome%20in%20adult%20horses.pdf

Paul, L. J., Ericsson, A. C., Andrews, F. M., McAdams, Z., Keowen, M. L., St Blanc, M. P., & Banse, H. E. (2022). Dietary and management factors influence the equine gastric microbiome. Journal of the American Veterinary Medical Association, 260(S3), S111–S120. https://doi.org/10.2460/javma.22.07.0277.

Masoud Ahmadnejad, Ghader Jalilzadeh-Amin, Benjamin W Sykes, Prophylactic effects of Glycyrrhiza glabra root extract on phenylbutazone-induced Equine Glandular Gastric Disease (EGGD), Journal of Equine Veterinary Science, Volume 118, 2022, 104088, ISSN 0737-0806, https://doi.org/10.1016/j.jevs.2022.104088.

Flood, J., & Stewart, A. J. (2022). Non-Steroidal Anti-Inflammatory Drugs and Associated Toxicities in Horses. Animals, 12(21), 2939. https://doi.org/10.3390/ani12212939

Vokes, J., Lovett, A., & Sykes, B. (2023). Equine gastric ulcer syndrome: An update on current knowledge. Animals, 13(7), 1261. https://doi.org/10.3390/ani13071261

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