Wer einmal nach Magenfutter fürs Pferd gesucht hat, kennt das Gefühl: Dutzende Produkte, jedes verspricht das Beste. Wir erklären die Wirkstoffe, ihre Unterschiede und ihre tatsächliche Studienlage. Welche Produkte welche Wirkstoffe enthalten, findest du anschließend gebündelt in einer Tabelle. So kannst du selbst einordnen, was ein Produkt verspricht und was davon Substanz hat.
Eines vorweg, weil es die Grundlage für alles ist: Ein Ergänzungsfuttermittel ist kein Medikament. Bei einem diagnostizierten Magengeschwür oder ernsthaften Beschwerden führt der Weg immer zuerst zum Tierarzt.
Die ehrlichste Aussage zuerst: Für die wenigsten Magen-Ergänzungsfutter gibt es belastbare Studien am Pferd. Wo es Daten gibt, sind sie oft gemischt oder ernüchternd. Das heißt nicht, dass nichts hilft – aber es heißt, dass du Werbeversprechen mit etwas Abstand lesen solltest.
Wir gehen deshalb nach Wirkstoffen vor, geordnet nach dem, was sie im Magen tun sollen: Säure abpuffern, die Schleimhaut schützen, über die Struktur des Futters wirken oder über die Stress-Schiene. Für jeden Wirkstoff findest du, was er kann, wie gut das belegt ist und worauf du achten solltest. In der Tabelle am Ende siehst du dann, welche Produkte diese Wirkstoffe enthalten – und kannst die Erkenntnis selbst übertragen.
Zwei Wirkstoffe sind keine Ergänzungsfutter, sondern Medikamente – sie gehören aber an den Anfang, weil sie der Maßstab sind.
Omeprazol ist ein Protonenpumpenhemmer und drosselt die Säureproduktion direkt an der Quelle (bis ca. 99%, also fast vollständig). Es ist verschreibungspflichtig, hat mit Abstand die beste Studienlage und ist der Goldstandard zur Behandlung eines diagnostizierten Magengeschwürs. Wichtig zur Einordnung aller folgenden Puffer: Solange Omeprazol wirkt, ist kaum überschüssige Säure im Magen – ein zusätzlicher Säurepuffer hat dann wenig zu tun.
Sucralfat legt im sauren Milieu einen zähen Schutzfilm über geschädigte Schleimhaut. Ebenfalls verschreibungspflichtig, vor allem für die drüsige Magenregion und meist mit zeitlichem Abstand zu anderen Gaben.
Alles, was jetzt folgt, sind freiverkäufliche Ergänzungsfutter. Sie ersetzen diese Medikamente nicht, sondern können begleiten oder die Zeit danach unterstützen.
Puffer neutralisieren überschüssige Magensäure und heben den pH-Wert an. Sie blockieren nichts, sie fangen ab, was schon da ist. Das ist ein sinnvolles Prinzip für die Prävention und die Zeit nach einer Kur – aber die Unterschiede stecken im Detail.
Natriumbicarbonat und Calciumcarbonat. Der natürlichste Puffer steht am Anfang: Bicarbonat ist genau der Stoff, mit dem schon der Speichel des Pferdes die Säure neutralisiert. Jeder Kauschlag liefert Nachschub. Als Zusatz ist es zudem als Hausmittel Natron bekannt und wird gern empfohlen. Der Haken: Bicarbonat – wie auch Calciumcarbonat – wirkt zwar schnell, aber nur kurz. Es ist damit der Maßstab, an dem sich die länger wirkenden Puffer messen lassen.
Kalzifizierte Rotalge (Lithothamnium). Der wichtigste und zugleich am stärksten missverstandene Puffer-Wirkstoff. Die Rotalge lagert beim Wachstum Kalk – also Calcium- und Magnesiumcarbonat – in ihre Zellwände ein und bildet so eine poröse, schwammartige Kalkstruktur, die überschüssige Säure binden kann. Auf Zutatenlisten taucht sie unter vielen Namen auf – Lithothamnium, Algenkalk, kohlensaurer Algenkalk, Seealgenmehl, Maerl. Und genau hier liegt der Haken:
Das Wort „Algenkalk" sagt für sich genommen wenig aus. Entscheidend sind drei Dinge. Erstens die Herkunft, und die ist wichtiger, als der Sammelbegriff vermuten lässt: Nicht jede Lithothamnium-Alge ist gleich. Die hochwertigste Variante (Lithothamnium Glaciale) wächst langsam in kaltem, reinem arktischem Wasser vor Island – dieses langsame Wachstum erzeugt eine besonders dichte, porige Struktur mit großer Oberfläche und damit ein um ein Mehrfaches höheres Säurebindungsvermögen als Lithothamnium aus wärmeren Regionen wie Brasilien, Frankreich oder Norwegen.
Auf dem Etikett steht bei beiden aber nur „Algenkalk" oder „Lithothamnium" – billige und hochwertige Ware sind von außen kaum zu unterscheiden, obwohl der Unterschied im Magen erheblich ist (die Details dazu in unserem ausführlichen Beitrag über Rotalgen für Pferde).
Zweitens die Reinheit: Meeresalgen können Schwermetalle und Schadstoffe anreichern, deshalb sind Herkunft, unabhängige Laborprüfung und Lebensmittelqualität die eigentlichen Qualitätsmerkmale.
Drittens die Wirkdauer: Hochwertige Rotalge verweilt länger im Magen und puffert über mehrere Stunden und damit deutlich länger als ein schnell, aber nur kurz wirkender Bicarbonat-Zusatz. Ideal ist die Verteilung auf zwei Gaben pro Tag, um eine möglichst gleichmäßige Pufferwirkung über den Tag zu erreichen. Kurz: Rotalge ist ein guter Puffer, aber ein Produkt, das nur „Algenkalk" deklariert, lässt offen, ob es hochwertige oder beliebige Ware ist.
Magnesiumoxid. Ein eigenständiger Puffer-Wirkstoff: Als basisches Oxid reagiert Magnesiumoxid mit der Magensäure und neutralisiert sie – ein bewährtes Antazidum, das die Rotalge ergänzt. Solide und unkompliziert.
Ein wichtiges Detail fürs Etikettenlesen: Diese Pufferwirkung haben nur die basischen Magnesium-Formen, also Magnesiumoxid, -hydroxid und -carbonat. Organische oder chelatierte Formen wie Magnesiumcitrat, -fumarat oder -bisglycinat sind dagegen auf eine gute Aufnahme ins Blut ausgelegt: Sie liefern Magnesium als Nährstoff. Bisglycinat ist sogar gezielt so gebaut, dass es den Magen weitgehend unverändert passiert und erst im Dünndarm aufgenommen wird - Säure puffern diese Formen daher praktisch nicht. Steht auf der Zutatenliste also „Magnesiumcitrat" statt „Magnesiumoxid", liefert das Produkt Magnesium als Nährstoff, statt Säure zu puffern.
Häufig liest man bei dieser Gruppe das Versprechen „neutralisiert die Magensäure", als wäre das eine Dauerlösung. Tatsächlich hält ein guter Puffer den Magen über Stunden in Balance, schaltet die Säure aber nicht dauerhaft ab – deshalb die regelmäßige, über den Tag verteilte Gabe. Und nicht jeder Algenkalk ist gleich viel wert.
Diese Wirkstoffe sollen einen Schutzfilm bilden oder die Schleimhaut nähren. Hier liegt auch die – wenn auch dünne – beste Studienlage der Ergänzungsfutter.
Pektin und Lecithin. Häufig als Komplex eingesetzt. Pektin quillt im Magen auf und kann eine zähe, gelartige Schicht bilden, die sich schützend über die gereizte Schleimhaut legt; Lecithin soll diese Schutzschicht zusätzlich stärken. Das ist der Wirkstoff mit den meisten Daten – doch diese sind gemischt: Studien zeigten eine Besserung der Geschwür-Scores, aber keinen messbaren Effekt auf den Magen-pH, und unter Fütterungsentzug blieb ein Effekt aus. Plausibel und einen Versuch wert, aber kein belegter Ersatz für eine Therapie. Gut zu wissen: Pektin kommt auch natürlich im Futter vor – reichlich in faserreichen Komponenten wie Rübenschnitzeln, Apfel- und Zitrustrester (Lecithin dagegen vor allem in ölhaltigen Saaten wie Soja oder Sonnenblume). Wer also ein rübenschnitzelbasiertes Mash füttert, liefert schon von Natur aus eine Portion Pektin mit – und im Dickdarm wird dieses zudem als Faserstoff vergoren, was ihm eine prebiotische, die Darmflora unterstützende Wirkung zuschreibt.
Schleimstoffe (Leinsamen, Flohsamen, Eibisch, Johannisbrot). Sie bilden im Magen einen Schleim, der die Wand mild überzieht. Traditionell geschätzt, physiologisch nachvollziehbar, aber in der Wirkung sanft und kaum durch Studien belegt.
L-Glutamin. Eine Aminosäure, die als Baustein für die Schleimhautregeneration gilt. Sinnvolle Ergänzung, eigenständige Belege bei Magengeschwüren fehlen weitgehend.
Tonminerale (Bentonit, Kaolin, Heilerde). Werden als „entgiftend" beworben, weil sie Schadstoffe binden. Der Haken: Diese Bindung ist unspezifisch – Tonminerale nehmen nicht nur Schadstoffe mit, sondern können auch Mineralstoffe, Spurenelemente und Medikamente binden. Oft liest man dann, man solle einfach etwas zeitlichen Abstand zum Mineralfutter halten. Beim Pferd löst das das Problem aber kaum: Ein Pferd frisst über den Tag fast durchgehend Raufutter, und das Tonmineral wirkt nicht in Minuten, sondern über die gesamte, lange Darmpassage. Ein echtes leeres Zeitfenster, in dem nichts gebunden wird, gibt es bei dieser Fütterung also kaum – der Tag hat nun einmal nur 24 Stunden. Die Studienlage ist dabei nicht ganz eindeutig (manche Untersuchungen zeigen kaum Effekte, andere eine verringerte Aufnahme etwa von Calcium). Sinnvoller als das Vertrauen auf einen Abstand ist deshalb, Tonminerale eher kurzzeitig und gezielt einzusetzen statt sie dauerhaft mitzufüttern.
Eine ganze Produktgruppe wirkt überhaupt nicht über einen Zusatzstoff, sondern über die Struktur des Futters. Gerade hier wird viel versprochen – umso wichtiger ist eine sachliche Einordnung.
Das Prinzip ist simpel: Viel Rohfaser bedeutet mehr Kauen, mehr Kauen bedeutet mehr Speichel, und Speichel puffert die Säure mit seinem Bicarbonat auf natürliche Weise. Ein „Magen-Müsli" wirkt also vor allem dadurch, dass es schlechtes, stärkereiches Kraftfutter ersetzt – das ist gutes Fütterungsmanagement, aber kein magischer Wirkstoff. Das ordnet die „schützt den Magen"-Versprechen ein: Den größten Teil der Arbeit macht der Speichel, nicht das Müsli.
Und damit zur eigentlichen Basis, die kein Kraftfutter ersetzen kann: hochwertiges Raufutter und kurze Fresspausen. Der Pferdemagen bildet ständig Säure und ist auf nahezu durchgehendes Fressen ausgelegt; lange Pausen ohne Heu sind einer der größten Risikofaktoren überhaupt. Selbst das beste Struktur-Kraftfutter gleicht schlechtes oder zu knappes Heu nicht aus – es kann die Basis ergänzen, aber nicht ersetzen.
Ein verbreiteter Irrtum ist dabei das Etikett „getreidefrei". Getreidefrei ist nicht automatisch besser. Entscheidend ist nicht, ob Getreide drin ist, sondern wie viel Stärke und Zucker insgesamt zusammenkommen. Hafer zum Beispiel ist in Maßen ein bewährtes Magenfutter: Er ist gut verdaulich und enthält Schleimstoffe, die den Magen mild überziehen – nicht umsonst ein altes Hausmittel (mehr dazu in unserem Beitrag über Hafer beim Magengeschwür). Das Problem ist also weniger „Getreide an sich" als die große Menge stärke- und zuckerreichen Kraftfutters.
Warum die Menge so wichtig ist, zeigen Studien recht klar. Bekommt ein Pferd mehr als rund ein Gramm Stärke pro Kilogramm Körpergewicht pro Mahlzeit, steigt das Risiko für Magengeschwüre auf etwa das Zweieinhalbfache; als Tagesobergrenze gelten rund zwei Gramm Stärke und Zucker pro Kilogramm Körpergewicht (Luthersson et al. 2009). Eine weitere Untersuchung verband hohe Zucker- und Stärkemengen, wenige Mahlzeiten und wenig Raufutter direkt mit häufigeren Magengeschwüren (Galinelli et al. 2021). Der Grund: Stärke und Zucker, die der Dünndarm nicht verarbeiten kann, werden im Dickdarm zu Säuren vergoren, und große Kraftfuttermahlzeiten regen die Magensäure zusätzlich an, während wenig gekaut und damit wenig gepuffert wird. Zucker, Melasse und Rübensirup gehören deshalb höchstens in kleinen Mengen ins Magenfutter.
Unter dem Strich: Ein gutes Strukturfutter liefert echte Rohfaser und kommt mit wenig Stärke und Zucker aus – ohne Melasse-Schub und ohne reine Füllstoffe wie Sonnenblumenschalen oder Lignocellulose, die nur die Menge strecken. Ob es „getreidefrei" ist, ist dabei zweitrangig.
Weil Stress eine der Hauptursachen für Magenprobleme ist, setzen viele Produkte an dieser Schiene an. Die Wirkstoffe reichen von gut begründet bis deutlich überschätzt.
Magnesium. Der nachvollziehbarste Vertreter: Magnesium wirkt auf das Nervensystem und kann zur Entspannung beitragen. In vielen Beruhigungs- und Magenprodukten ist es der eigentlich tragende Bestandteil. Hier zählen allerdings die gut aufnehmbaren Formen wie Magnesiumcitrat, -fumarat oder -bisglycinat – nicht das basische Magnesiumoxid, das zwar gut puffert (siehe oben), aber als Nährstoffquelle schlecht verfügbar ist. Magnesium ist also nicht gleich Magnesium: Die Form verrät, ob es eher puffern oder eher beruhigen soll.
Tryptophan. Steht groß auf vielen Verpackungen und wird – zumal in Kombination mit Magnesium – gern als Mittel zur Beruhigung gesehen. Was lässt sich belegen, und welche Dosierung ist notwendig, um überhaupt einen Effekt zu erzielen? In kontrollierten Studien wurden Tryptophan-Dosen von 20, 40 und 60 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht getestet (Davis et al., Applied Animal Behaviour Science, 2017); für ein 600-Kilo-Pferd sind das rund 12 bis 36 Gramm pro Gabe. Selbst in diesen hohen Mengen zeigte sich keine verlässliche Beruhigung, bei der mittleren Dosis trat sogar eher ein anregender Effekt auf. Ein Übersichtsartikel (Grimmett & Sillence, The Veterinary Journal, 2005) kommt zum gleichen Schluss: Für niedrige Dosen gibt es keinen Beleg, sie können paradoxerweise sogar leicht aufdrehen. Zur Größenordnung: Viele flüssige Produkte liefern pro Gabe nur einen Bruchteil eines Gramms, rechnerisch oft im Bereich von 0,1 bis 0,2 Milligramm pro Kilogramm – also rund ein Hundertstel der niedrigsten Dosis, die in Studien überhaupt getestet wurde und selbst dort nicht beruhigte. Dazu kommt der Turniersport: In Deutschland ist Tryptophan in Ergänzungsfutter nach den ADMR-Regeln der FN nur bis zu einem Gehalt von 0,5 Prozent erlaubt, darüber gilt eine Karenzzeit von 48 Stunden. Viele als turniertauglich beworbene Produkte halten den Gehalt deshalb bewusst knapp unter dieser Grenze – was die ohnehin fragliche Wirkung zusätzlich relativiert.
Beruhigende Kräuter (Süßholz, Kamille, Eibisch, Fenchel, Melisse, Hopfen). Traditionell geschätzt und in der Regel gut verträglich, aber ohne belastbare Studien zur Wirkung bei Magengeschwüren. Süßholz hat dabei eine Doppelrolle: Es wird der Schleimhaut zugeschrieben, ist in größeren Mengen aber turnier- und stoffwechselrelevant. Auch Kräuteranteile über drei Prozent können eine Karenzzeit auslösen.
Adaptogene (Ashwagandha, Passionsblume). Beliebt in neueren Beruhigungsprodukten, beim Pferd aber kaum untersucht – und bei einigen pflanzlichen Beruhigungsstoffen ist die Doping-Einstufung Auslegungssache.
Aloe Vera. Hier gibt es sogar eine Studie – mit klarem Ergebnis: Aloe Vera wirkte, war dem Medikament Omeprazol aber deutlich unterlegen (Heilungsrate 17 gegenüber 75 Prozent; Bush et al., Equine Veterinary Journal, 2018). Als alleinige Behandlung also keine echte Alternative.
Sanddorn. Wird gern als besonderer Schutzstoff für die Magenschleimhaut beworben. In einer Untersuchung ließ sich bei Magengeschwüren allerdings keine Wirksamkeit nachweisen.
Sanguinarin (aus Macleaya/Sangrovit). Ein Pflanzenalkaloid, das manchen Futtermitteln als Stress- und Verdauungszusatz beigemischt wird. Dazu zwei Punkte. Zur Sicherheit: Die EFSA – die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, deren wissenschaftliche Bewertungen über das EU-Recht auch in Deutschland gelten – hat für Sanguinarin eine Frage der Genotoxizität aufgeworfen. Genotoxisch heißt vereinfacht, dass ein Stoff das Erbgut, also die DNA in den Zellen, schädigen kann; solche Schäden können Mutationen begünstigen und langfristig das Krebsrisiko erhöhen. Den Zusatz selbst hält die EFSA bei genau definierten, niedrigen Mengen für vertretbar, für das Pferd ist die Datenlage aber dünner. Zum Turniersport: Als Pflanzenalkaloid ist Sanguinarin doping- und karenzrelevant. Steht dieser Stoff auf der Zutatenliste, sind Menge und Karenzzeit die entscheidenden Fragen.
Ein letzter Unterschied betrifft nicht den Wirkstoff allein, sondern die Anwendung. Die meisten Produkte sind für die tägliche Gabe gedacht – als Pulver oder Pellet übers Krippenfutter, für die Prävention und die Langzeitfütterung. Daneben gibt es Pasten, die du gezielt ein bis drei Stunden vor einer bekannten Belastung gibst: Transport, Turnier, Tierarzttermin. Sie sind für die situative Spitze gedacht, nicht für die Dauer.
Wichtig ist dabei, dass diese Pasten an ganz unterschiedlichen Stellen ansetzen. Der eine Ansatz geht über den Magen: Ein Säurepuffer – vor allem aus Rotalge, ergänzt um Magnesiumoxid – fängt die situative Säurespitze ab und beruhigt den Magen; die Idee dahinter ist, dass ein entspannter, schmerzfreier Magen auch ein entspannteres Pferd bedeutet. Der andere Ansatz setzt direkt am Nervensystem an: beruhigende Wirkstoffe wie Magnesium, Tryptophan oder Kräuter, die das Pferd ruhiger machen sollen, ohne den Magen zu adressieren. Das sind zwei verschiedene Wirksysteme – und welches passt, hängt davon ab, ob die Anspannung deines Pferdes eher aus dem Magen kommt oder reine Nervensache ist. In der Tabelle ist vermerkt, welches Produkt welchen Weg geht.
Jetzt die Brücke vom Wirkstoff zum Produkt. Die Tabelle zeigt die wichtigsten Magen-Ergänzungsfutter mit ihren Schlüssel-Inhaltsstoffen – damit du das, was du oben über die Wirkstoffe gelesen hast, direkt anwenden kannst. Wir rechnen die Kosten auf den eigentlichen Vergleichswert um: den Preis pro Fütterungstag. Denn nicht der Packungspreis entscheidet, sondern was die tägliche Gabe kostet – ein günstig wirkendes Produkt, von dem du große Mengen brauchst, kann pro Tag teurer sein als ein hochpreisiges, das sparsam dosiert wird. Doping-Angaben vor dem Turnier immer gegen die aktuelle Herstellerdeklaration prüfen.
| Produkt | Gruppe | Schlüssel-Inhaltsstoffe | Doping | Form | Preis/Tag (ab)* |
|---|---|---|---|---|---|
| Equine 74® Gastric | Puffer | Rotalge (isländisch, Lebensmittelqualität), Magnesiumoxid, Leinmehl, Hefe | dopingfrei | Pulver/Pellet | ab ~1,88 € |
| Kristallkraft Coolly | Puffer | Algenkalk (Lithothamnium), Leinkuchen, Johannisbrot, Yucca, Kräuter | dopingfrei | Pellet | ab ~1,56 € |
| iWest Magnoguard | Puffer | Lithothamnium, Apfeltrester (Pektin), Getreideextrakt, Süßholz | dopingfrei | Pellet | ab ~2,01 € |
| Masterhorse Magen-Perfekt | Puffer + Schutz | Magnesiumoxid, Natriumbicarbonat, Pektin, Lein, Flohsamen, Tryptophan | Tryptophan | Pulver | ab ~2,40 € |
| Egusin Gastric 365 | Puffer | Lithothamnium, Hefe, Polyphenole | k. A. | Pulver | ab ~2,02 € |
| Equitop Pronutrin | Schutz | Pektin-Lecithin-Komplex (Apolectol), Zitrustrester, Zucker | dopingfrei | Pellet | ab ~5,39 € |
| GastroCare Plus | Schutz + Puffer | Natriumcarbonat, L-Glutamin, Pektin/Lecithin, Lebendhefe | dopingfrei | Pulver/Gel | ab ~3,92 € |
| EQUIPUR gastral | Schutz | Schleimstoffe, Pektine, Magnesiumoxid, Tryptophan, Kräuter | Karenz 48 h | Pulver | ab ~1,80 € |
| St. Hippolyt BrandonPlus / WES Gastro Beet | Schutz | Hefeextrakt, Leinsamen, Kräuter / Rübenschnitzel, Sanddorn | dopingfrei | Pellet/Mash | ab ~4,28 € |
| Pferdegold Magen | Schutz | Leinsamen, Hyaluron, Chlorella, Bentonit, Apfeltrester, Rübensirup | dopingfrei | Pulver | ab ~3,33 € |
| Höveler Pur.Gastro | Struktur (getreidefrei) | Leinsaat, Sonnenblumenschalen, Zichorie, Timothee, Calciumcarbonat, Magnesiumoxid | k. A. | Pellet | ab ~1,83 € |
| marstall Gastro Müsli | Struktur (getreidefrei) | Heufasern, Timothee, Natriumbicarbonat, Traubentrester, Magnesium | k. A. | Müsli | ab ~4,27 € |
| Pavo GastricEase | Struktur (getreidefrei) | Rübenschnitzel, Apfeltrester (Pektin), Macleaya/Sangrovit, Prä-/Probiotika | Sanguinarin | Müsli | ab ~3,36 € |
| Ewalia Magensaft I/II | Kräuter | Süßholz, Kamille, Fenchel, Melisse (II: Heidelbeerblätter, Bockshornklee) | Karenz FEI 2 Tage | flüssig | ab ~1,44 € |
| Alpurial Pro Magen | Kräuter | Kamille, Eibisch, Hopfen, Melisse, Süßholz, Glycerin | Karenz 48 h, nicht ADMR-konform | flüssig | ab ~1,80 € |
| Dr. Weyrauch Nr. 42 Magenschmeichler | Kräuter + Magnesium | Kräuter (Anis, Fenchel, Süßholz, Kurkuma), Magnesiumtricitrat, Calciumglukonat | dopingfrei | Mash | ab ~2,25 € |
| Equine 74® Stomach Calm Relax | Puffer (Paste, akut) | Rotalge, Ascophyllum nodosum, Magnesiumoxid, Maiskeimöl | dopingfrei | Paste | ~5,11 €/Gabe |
| Alpurial Nerven-Booster | Beruhigung (Paste, akut) | Magnesiumfumarat, Dextrose, Algenkalk (gering), Ashwagandha, Passionsblume, Tryptophan | ADMR-konform | Paste | ~19,96 €/Gabe |
| TRM GNF | Puffer + Prebiotika | Calciumcarbonat, Magnesiumhydroxid, FOS, Seealge, L-Glutamin, Kaolin | k. A. | Pellet | ab ~3,56 € |
*Preis/Tag = grober Richtwert der Kosten pro Fütterungstag bei Erhaltungsdosis (600-kg-Pferd) – nicht der Packungspreis. Tatsächliche Preise variieren je nach Anbieter und Gebindegröße. Mehrere Produkte sind im Abo günstiger (z. B. Equine 74® Gastric ~1,75 €, Pferdegold ~2,67 €, Alpurial Pro Magen ~1,62 € pro Tag). Die beiden Pasten (Stomach Calm Relax, Nerven-Booster) sind Einzelgaben, daher Preis pro Anwendung.
Weitere Produkte am Markt lassen sich denselben Wirkprinzipien zuordnen – zum Beispiel ATCOM Gastric Plus, eQ7 Magenglück, Ekygard, Acidprotect, Ulcosan, Gastrovet, HerbaGast, Maag Compositum, Lexa Magen-Darm-Elixier, Mühldorfer Mucovital, Synovium Gastrosafe oder cdVet EquiGreen. Ihre Einordnung ergibt sich über die Inhaltsstoffe: Wer weiß, welche Wirkstoffe ein Produkt enthält, kann es mithilfe der Abschnitte oben selbst einsortieren.
Der Markt für Magenprodukte ist groß und unübersichtlich – aber er wird beherrschbar, sobald du in Wirkstoffen denkst statt in Markennamen. Ein guter Puffer fängt Säure ab, hochwertige Rotalge tut das besser als beliebiger Algenkalk, Schleimstoffe und Pektine schützen mild, Struktur wirkt über den Speichel, und manch beworbener Stoff – von Sanddorn bis unterdosiertem Tryptophan – hält nicht, was die Verpackung verspricht. Mit diesem Wissen liest du jede Zutatenliste anders.
Bei anhaltenden oder ernsten Beschwerden gilt immer: zuerst zum Tierarzt. Die sichere Diagnose eines Magengeschwürs liefert nur die Gastroskopie.